Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
14 Jun
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat sich einmal ausgedacht wie Informationen wirken (können) und ein paar Fragen angeboten.
Weniger als ein Drittel der von Gigerenzer befragten Mediziner konnte Aufgaben dieser Art richtig lösen, wenn die Zahlenangaben in Form von Wahrscheinlichkeiten gegeben wurden.
Und hier geht es weiter.
Quelle flickr.
Auch durch Wiederholungen werden die falschen Angaben des Vereins AKIK nicht richtiger: niemand will oder wird mit einem Beschluss im G-BA Krankenhäuser schädigen. Übrigens stellen die Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss auch einen Antrag zur Problematik der Versorgung extrem unreifer Frühgeborener (und nur um die geht es, also unter 1250gr Geburtsgewicht!) durch unerfahrene Behandler. Es ist nicht akzeptabel, dass Hunderte von Kindern seit Jahren sterben und noch mehr Kinder dauerhaft geschädigt leben müssen, nur weil wir in Deutschland, anders als Portugal oder die Nordic-Countries, mit Unsinnsargumenten an der Versorgung durch zu wenig geübte Behandler festhalten.
6 Jun
Quelle flickr.
zwischen den Überlegungen wie denn die unbeschränkte und unveränderte Existenz der privaten Arztpraxis, dieser Mischung aus Pflichterfüllung an der Volksgesundheit und Kommerz, zwischen Kollektivvertrag und IGEL, zwischen Wohltätigkeit und Privatgewinn zu rechtfertigen sein könnte oder ob doch irgendwie ein wenig gesteuert werden müsste bei der deutlich sichtbaren Schieflage des Gesundheitssystems.
Natürlich zurück zu weisen war der Vorwurf mangelnder Patientenorientierung des Systems. Da können soviel Zeugen auftreten wie wollen, das nehmen Ärztinnen und Ärzte einfach mal nicht wahr.
Unübersehbar aber, dass auch die Gutmenschen nicht wussten, wie man Patientinnen und Patienten selbst beteiligt. Berufen zur Vertretung dieser Perspektive waren vom Juristen bis zum Pfarrer wieder mal alle, die ja irgendwie auch selbst Patienten sind oder werden könnten oder eine Frau haben die mal …
Und letztlich: niemand weiß wirklich wohin es gehen soll, selbst bei der Definition von Gesundheit oder auch nur dem Ziel einer Versorgung auf Kosten der Versichertengemeinschaft gibt es keine Einigkeit.
Also weiter so, oder?
So schön die Umgebung war, so unzulänglich die Tagung. Eine Evaluation gab es vorsichtshalber nicht.
Wenn man sich einmal mit einem Haus Netslé beschäftigt bekommt man gleich noch Hinweise auf andere Geschäfte, die an Verwerflichkeit der beanstandeten Werbung für Zuckerbomben als Gesundheitsprodukte nicht nachstehen.
Ihre Tochter, die Björn-Steiger Stiftung Service GmbH, geriet in die Hände der Allianz Versicherung und die ist nicht wirklich gemeinnützig. Das Geldhaus will nun mit der Lebensrettung per Handyortung auch noch ein paar Euros verdienen. Quelle
Schade, bei mir wird mit dem bisher guten Namen der Familie nun auch wegen eines augenscheinlich übereifrigen Finanzbeamten ein Gschmäckle verbunden. Einen ersten Schaden nahm der Name bei mir wegen der unseeligen Initiative für Babynotarztwagen zum Transport von Frühchen. Für diesen Zweck sind sie nämlich kontraproduktiv, statt einer Zentralisierung der Betreuung von Schwangeren bei drohender Frühgeburt wirken sie für die Angebote der verbunden Leistungen in kleinen und ungeeigneten Abteilungen im ganzen Land. Deshalb haben wir eine höhere Frühchensterblichkeit als Portugal.
Die Allianz hingegen konnte und kann mich nicht enttäuschen.
30 Mai
Da sind sie wieder, unsere Freunde der leichten Nahrungsmittelindustrie, die uns nur gesundes Essen bedarfsgerecht anbieten wollen: diesmal mit “Fitness Fruits”, die bei normalem Gebrauch besser “Fettness Fruits” heißen sollten. Details
Nestlé, das ist doch der Konzern, der sich besonders um die Lebenschancen von Kindern mit Behinderungen verdient gemacht hat, da war doch mal was:
Wir haben mittlerweile provozierend gesagt, einen gewissen Prozentsatz an Wohlstandsmüll in unserer Gesellschaft.
Dass so einer einen Preis der Konrad-Adenauer-Gesellschaft, Stiftungskassse der CDU, bekommen hat darf nicht verwundern. Dass es ein Preis ausgerechnet für “soziale” Marktwirtschaft gewesen ist wäre eine Meldung in der titanic wert.
26 Mai
Da ich in dem Ruf stehe dauernd über Ärzte zu schimpfen hier mal ein Hinweis auf deren Kenntnisse zu Telematik (man erinnere sich, sie wollen keine Gesundheitskarte):
33 Prozent der befragten Ärzte konnten nichts mit dem Begriff Versicherten- stammdatendienst (VSDD) anfangen. Auch unter einem Notfalldatensatz könnten sich 28 Prozent der Ärzte nichts vorstellen. 14 Prozent der Ärzte hätten keine Ahnung, was der Heilberufeausweis (HBA) leisten soll. Quelle
Ich war es nicht, ich habe nur zitiert. Und vorsorglich: ich glaub’ das nicht. Nie würden die sich zu was äußern von dem sie keine Ahnung haben.
25 Mai
Da die Arbeitsbelastung in letzter Zeit ein wenig zugenommen hat musste ich bei beabsichtigt gleichbleibendem Zeiteinsatz mal die Methoden überprüfen auf Wirksamkeit und erforderlichem Arbeitseinsatz. Zusätzlich wurde nach mehr Transparenz gefragt.
Mit wesentlich weniger Aufwand an Zeit konnte ich mit Bildern die Ideen und Prozesse transportieren, Unterstützung gewinnen, bei den Betroffenen Akzeptanz erzeugen. Da ich Erzeugnisse aus dem Haus Microsoft nur einsetze wenn es unbedingt erforderlich scheint habe ich mich jenseits des Riesen “Kleinweich” umgesehen und bin mit Mindjet und Omnigraffle bei zwei Angeboten für Mac OS X fündig geworden. Zwar könnte Mindjet die Unterstützung des Projekts für den Mac noch intensivieren, aber schon die eingeschränkte Variante bietet viel.
Nein, ich bekomme kein Honorar, musste für die Software sogar bezahlen. Deshalb habe ich auch nicht vor zu haften. Diese Witzbolde vom internettigen Feldgericht (Suchwort: Buskeismus) würden jetzt eine Distanzierung von mir verlangen. Täte ich auch. Wenn ich nicht überzeugt wäre.
Der Deutsche Ärztetag hat es tatsächlich gemacht: ein Grundsatzbeschluss gegen die langsame, teilweise, vorsichtige Anpassung der Medizin an die Techniken der Neuzeit, gegen die elektronische Gesundheitskarte. Endlich wird klar: man kann den Verein noch nicht mal mehr als Interessenvertretung der Ärzte ernst nehmen. Quelle
Hoffentlich macht man jetzt genau das, was dieses Vorstandsmitglied dort ankündigte: man schickt die verfasste Ärzteschaft endlich auf die Tribüne. Denn auf dem Spielfeld haben sie nichts verloren, das erledigt dort jetzt alleine die „Ärzteschaft für mehr Geld“.
Das ist eine erfreuliche Sache wenn ein Partner ohne Gemurre aber völlig überrascht von der Anforderung innerhalb kürzester Zeit in der Lage ist eine Betreuung zu organisieren. Damit ist die gestern überraschend angekündigte Sitzungsteilnahme am Montag gesichert. Und natürlich ist es ein Glück, dass die betroffene junge Dame sowas von unkompliziert ist (wenn man nur lieb zu ihr ist), dass sie auch für niemanden eine Zumutung darstellt.
Natürlich müssen noch andere Betreuungen sicher gestellt werden, aber all das hat noch ein paar Tage mehr Zeit. Plötzliche Anforderungen halten jung (wenn man ihnen gerecht werden kann).
12 Mai
„Der große Vorteil des KV-Systems ist doch, dass darin alle unter einem Dach vereint sind, dass die Führungen der KVen und der KBV von allen gewählt werden und deswegen als einzige über die notwendige Legitimation verfügen“, erklärte Köhler. Der Deutsche Hausärzteverband wolle in seinen Verträgen vor allem die Vorteile für sich in Anspruch nehmen, nicht aber die dazugehörigen Pflichten. Quelle
Tja, liebe Ärztinnen und Ärzte, wenn Ihr es auch nie nicht wahrhaben wollt in Euren Jammerblogs: es ist Eure KV, Ihr wählt da ganz alleine, noch nicht einmal die bösen Krankenhausärzte dürfen da mitspielen. Jetzt reißt Euch endlich mal am Riemen und hört auf Patientinnen und Patienten zu instrumentalisieren, zu manipulieren, zu missbrauchen. Wenn Ihr 9% mehr Geld wollt: steht zu Eurer Gier und stellt Euch den Konsequenzen für Euren Ruf. Ihr habt ihn Euch, mit Euren Vereinen, verdient.
Und ja, ich weiß von denen unter Euch, die nicht jammern und nicht klagen sondern einfach eine Arbeit machen, die mal mehr und mal weniger Freude macht.
Und mindestens genauso interessant ist die Frage: Wer eigentlich? Eine Wahlbeteiligung von 60% ist aus meiner Sicht erst einmal ein blamables Ergebnis für alle Politikerinnen und Politiker im größten aller Bundesländer. Was soll es denn von 13 Millionen Wahlberechtigten zu sprechen, wenn dann nur knapp 8 Millionen zur Urne gehen, mithin über 5 Millionen Berechtigte allen Parteien die Zustimmung verweigern?
Reaktion: die Diäten auf 60% kürzen, damit die Gewählten künftig stärker berücksichtigen, dass es ihre Aufgabe ist für Zustimmung zur Politik, zur Demokratie zu sorgen. Aber zurück zur Realität.
Da stand eine SPD zur Wahl, die in Bonn ein Weltkongresszentrum sowas von verbaselt hat, dabei den Wählerinnen und Wählern sowas von tief in die Tasche gegriffen, dass es einen an Hypobanken und Griechenland erinnert. Es geht die Sage, dass eine Sparkasse unter maßgeblich politischer Leitung daran fast gestorben wäre. Aber wir wissen ja: Banken sterben nie, jedenfalls nicht richtig.
Da stand ein CDU-Gesundheitsminister zur Wahl, der die KBV beschimpft und seinen beiden Landes-KVen nach dem Mund redete, der eine Unzahl von Leistungsstätten verteidigte gegen jeden vernünftigen Sparwillen, der meinte, es müsse immer mehr geben für die Ärzte, nur damit sie ihn wählten.
Da standen Grüne zur Wahl, die, kaum einmal in einer Bundesregierung, ihren Pazifismus nur noch vom Hörensagen kannten. Wieviel Kriege seit Rot-Grün und wieviel unter Helmut Kohl? Man wird ja noch mal fragen dürfen.
Jetzt soll es den Kernkraftwerken an den Kragen gehen. Na dann warten wir mal unverzüglich ab.
Ach ja, da war doch noch wer. Der meinte, man müsse Griechenlandhilfen mit Steuerversprechen verrechnen. Das hat sich nicht gelohnt. Und das ist auch, fast das einzige was glücklich machen kann, gut so.
Und hat die SPD gerade bei der Griechenlandhilfe gezeigt, dass sie irgendwie Anforderungen gewachsen wäre? Auch insoweit: avanti dilettanti! Nur wer nichts erhofft kann nicht enttäuscht werden.
6 Mai
Noch eine der großen Leistungen des Gemeinsamen Bundesausschusses wird jetzt als Kokolores erkannt: das mit langem Hin und Her eingeführte Chlamydien-Screening.
Das jährliche Chlamydien-Screening, zu dem junge sexuell aktiven Frauen geraten wird, ist offenbar weniger effektiv als bisher angenommen. Quelle
12 Apr
CSU will Ärztezulassung freigeben Quelle
Witzige Idee, dahinter steckt, dass sich die Leistungserbringer doch selbst zerfleischen sollen. Anders begreifen „die Niedergelassenen“ schließlich nicht wirklich, dass die KVen „ihre eigene“ Angelegenheit sind. Den Interessen von Patientinnen und Patienten dient das aber weniger als den Interessen der wirtschaftlich im Wettbewerb agierenden Kassen. Nicht abzustreiten ist, dass so die Einnahmen in Ballungsgebieten durch Atomisierung so gering werden dürften, dass eine Landarztpraxis im Vergleich dazu wieder wirtschaftlich attraktiv wird.
Aber: wollen wir nicht lieber mal darüber nachdenken, wie das ganz anders zu lösen wäre? Zum Beispiel mit einer Beendigung dieses Abenteuers selbständigen Unternehmertums von Ärzten, die alles mögliche, aber nicht Unternehmersein gelernt haben? Aber sorry, ehe jetzt wieder die Zunge im Honigtopf kleben bleibt und den Verstand gleich mit verklebt: es geht nicht an, so ein Modell nur für die unattraktiven Gegenden und nur für Hausärzte, wenn, dann muss das für alle gelten.
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