bedarfshaltestelle

Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt

Erst heute habe ich die Website 1001 Geschichten und kein einziges Märchen gefunden. Zum Kongress hätte ich wegen anderweitiger Verpflichtungen sowieso nicht fahren können. Aber das Projekt und die Arbeit der Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. ist einen näheren Blick wert! Warum validiert nur keine einzige der Seiten, warum legen die Autorinnen und Autoren so erkennbar wenig wert auf die Gruppe seh- oder anders behinderter Menschen? Besonders ethisch ist das nicht!

FDP startet Briefkampagne gegen Gesundheitsreform und es geht ihr um die Privatversicherten, in deren Reihen vermutet sie ihre Wähler. So wird es auch sein. Aber das könnte sich eben ändern, wenn die nicht mehr beim Arzt ein gemütlicheres Wartezimmer bekommen und außer der Reihe vorgezogen werden. Aber wenn den Ärzten deren Honorare reichten, dann gäben sie ihre Kassenzulassungen ja reihenweise zurück. Tun sie aber nicht. Also brauchen sie wohl doch die Kassenpatienten als Basis des Einkommens. Dann sollte auch Schluss mit deren Benachteiligung im Wartezimmer sein. Ein weiteres Cheerio auf die Ministerin!

Dass die Kosten von Arzneimitteln und deren Nutzen nichts miteinander zu tun haben kann geneigter Leser bereits erfahren haben. Dass diese Kosten in 2005 um über 16% gestiegen sind ist nachzulesen.

Weitere Steigerungen sind zu erwarten, denn die Pharmaindustrie will ihre zweistelligen Gewinnsteigerungen schließlich fortsetzen.

Wenn Politikerinnen meinen, dass ein zweiter Arzt und dessen Meinung etwas grundsätzlich bewirken könnten, dann haben sie das System vielleicht nicht verstanden: Ärzte wissen wenig über Arzneimittel. Was sie wissen stammt meist aus den “Beratungen” durch Pharmareferenten, wenn nicht nur aus Werbung und Prospekten. Klinische Pharmakologen könnten den Unsinn beenden, dass manche Patienten genauso viele Medikamente noch einmal gegen die Nebenwirkungen der eigentlich verordneten Medikamente einnehmen. Und gegen das “Wegwerfen” verordneter und bezogener Arzneimittel hilft aus meiner Sicht nur Aufklärung (im günstigsten Fall) und Strafe (durch Zuzahlungen, im Normalfall). Nicht populär.

Vielleicht hilft auch mal ein Patientenblick auf Preisvergleiche, wobei immer skeptisch zu untersuchen bleibt, wer eigentlich hinter den Webportalen steht. Generell gilt: wo es um so viel Geld geht ist Misstrauen angebracht!

Leseempfehlung: http://maennerseiten.de/blog/index.php/verhinderte-feuerzeuge/

Die Qualität von Studien ist mit ihrer meist verquasten Sprache nicht so besonders hoch, besonders die niedrigen Zahlen im Bereich medizinischer Studien lassen einen Vergleich ihrer Aussagen mit ernsthaften wissenschaftlichen Veröffentlichungen meist nicht zu. Wenn dann noch eine besonders effektheischende Formulierung durch Journalisten dazu kommt erinnert das sehr an die in Amerika so üblichen Nullnummern um mehr Forschungsgeld zu bekommen. Patienten sollten sich so einen Quatsch nicht mehr antun, wo sie Einfluss haben verhindern, dass für so einen Unsinn Geld ausgegeben wird. Schön, dass die Zeit gegen hält, zumindest im Weblog.

Plazeboalarm

Schon am 13.10. berichtete Thomas Wanhoff in seinem Weblog über Professor Andreas Pfeiffer, seine Beziehungen zur Pharmaindustrie und wie Nachrichten in seriösen Medienunternehmen dpa, FAZ, The Lancet) gemacht werden. Dazu passend vielleicht auch mal bei den beiden Journalisten desPlazeboalarm nachlesen was es mit dem diesjährigen Nobelpreis und seiner Wahrnehmung in der Presse so auf sich hat.

… Qualitätszeitungen sind hilfreich und gut! Es geht um Pharmainteressen.

Unbedingt sollte jeder an diesen Themen interessierte Leser mal bei booCompany vorbeisurfen. Professor Andreas Pfeiffer von der Charité, die Redaktion des Handelsblatts und Sanofi-Aventis kommen dort wirklich nicht gut weg. Und womit? Mit Recht!

Interessant ist für mich auch, dass Sanofi-Aventis und Roche Diagnostics hinter dem Webportal www.diabetes-world.net stehen. Dagegen wurde www.diabetesgate.de zwar vom Deutschen Diabetiker Bund “angestoßen”, scheint jetzt aber über eine Agentur getarnt in den Händen der Industrie.

An die Morddrohungen gegen den Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Zusammenhang damit, dass man dort eine wirtschaftliche und gute Insulinversorgung auch ohne teure Insulin-Analoga bei Typ-II-Diabetikern gegeben sah, möchte ich an dieser Stelle erinnern. Wenn man auf der Website des IQWiG “Insulin” ins Suchfeld eingibt wird man schlauer.

1987

Heute vor 19 Jahren … aber ich will hier nicht so persönlich werden. Jedenfalls würde ich mich sonst nicht mit Gesundheitspolitik befassen. Und heute habe ich natürlich andere Aufgaben als bloggen: Geburtstagskuchen, Geschenke, spielen, und nur ganz wenig arbeiten.



Quelle: gn8

… am 12.10.1847 gründeten Werner Siemens und Johann Georg Halske die Telegraphen-Bauanstalt in Berlin. Im Deutschen Technikmuseum, Berlin, kann man sich eine Menge Gerätschaften der Kommunikationstechnik ansehen: von den Zeigertelegraphen bis zur Rechenmaschine von Herrn Zuse. Unbedingt mehrere Besuche wert. Besonders angenehm: die Erlaubnis zum Fotografieren mit Stativ und Blitzlicht zu nicht-kommerziellen Zwecken wird mit einem kleinen Vordruck ohne weitere Kosten erteilt. Erwachsene zahlen Euro 4.50, Kinder/Krüppel/Greise zahlen nur 2,50. Ein Audioguide (Audioführung) kostet 2,00 bzw. 1,00 Euro zusätzlich (und lohnt sich auch).

Die Bundesministerin für Gesundheit hat einen Beirat eingesetzt. Sie will die Pflegebegriffe “modernisieren”. Den Vorsitz, darauf ist sie besonders stolz, hat der Vorsitzende des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge übernommen. Der war mal Abgeordneter. Und sie freut sich, die Ministerin, dass “eine Vielzahl von Interessen und Kompetenzen” in ihrem Beirat versammelt sind. Am 13.11.2006 soll der Beirat anfangen, am 30.11.2008 soll er fertig sein.

Wer heute Leistungen wegen Pflegebedürftigkeit bezieht sollte sich bis dahin darauf vorbereiten auch ohne diese Leistungen leben zu können. Wer mir jetzt widerspricht soll bereit sein darauf zu wetten. Und er soll den Tag dann noch erleben.

Habe ich eigentlich schon mal erzählt wie ich erfuhr, warum die SPD der Einführung der Pflegeversicherung, dem Ausstieg aus dem Prinzip paritätisch finanzierter Sozialversicherungen, zugestimmt hat?

Adrian Schimpf schreibt ein Blog bei der Financial Times Deutschland. Meist schreibt er mit spitzer Feder ein paar Wahrheiten noch ein wenig radikaler, als es es bei dem für seinen (Wortschafts-)Liberalismus bekannten Blatt wohl könnte. Die Nachrichten über die Gesundheitsreform hält er für weniger interessant als die Wetterkarte von vor 20 Jahren. So ahnungslos, wie sein Beitrag liest sich Vieles in dem Konzert der Kommentatoren dieser Tage. «Richtig ist wofür es eine Mehrheit gibt.” Das ist die einzige Richtschnur für jedwede Gesundheitsreform in einer demokratischen Gesellschaft. Und bei den selbstverwaltungsgestützten Systemen (bei denen Adrians private Kasse übrigens unbedingt mit am Tisch sitzen wollte und nun auch sitzt) geht es nur wenig anders zu. Das alles müsste, zumindest könnte er wissen. Wozu schreibt er dann so einen Beitrag? Gab es Buchstaben im Sonderangebot und kein Platz mehr für ihn im Blatt? Ist Bloggorrhoe ansteckend?

Heute soll es ja den «Durchbruch» geben, den «endgültigen Durchbruch» gar … in der Gesundheitsreform. Wie Politiker mit einem oder mehreren Gesetzen die Praxis ändern wollen bleibt mir unklar. Frau Nessy hat wunderbar ausführlich ihre knappen Erfahrungen geschildert.

Gestern um 19.36 Uhr, einen Monat vordatiert, sind die ersten beiden Spams eingetroffen. Hat lange gedauert.

Return-Path: <5868stocknews@travelvouchers.com>
Received: from boz-94b84ba79f8 (ip35-159-58-81.adsl.versatel.nl [81.58.159.35])
by fgt.kobinet.de (8.13.7/8.11.3/SuSE Linux 8.11.1-0.5) with ESMTP id k93HaVpm027234
for ; Tue, 3 Oct 2006 19:36:31 +0200
Apparently-To:

Received: from 83.170.64.201 (HELO uk2mxarray1.uk2.net)
by bedarfshaltestelle.de with esmtp (GJYRYRBZ9EAO BVW1FT)
id B0E8TC-3TANN8-U9
for spammülleimer@bedarfshaltestelle.de; Tue, 3 Nov 2006 17:36:38 -0060
Date: Tue, 3 Nov 2006 17:36:38 -0060
From: “Velma Dickinson” <5868stocknews@travelvouchers.com>
X-Mailer: The Bat! (v2.00.2) Business
X-Priority: 3 (Normal)
Message-ID: <041779432.56495954504467@thebat.net>
To: spammülleimer@bedarfshaltestelle.de

Es gibt eine Neufassung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek. Stark verkürzt: jeder Beitrag im deutschen Internet ist vom Website-Betreiber dort “abzuliefern”. Das geht nicht, das ist Unsinn, die Bibliothek weiß nicht einmal wie sie das annehmen sollte. Aber die Bibliothek darf ein Ordnungswidrigkeitengeld festsetzen und eintreiben. «Im Ergebnis ist das Gesetz ein Skandal. Jeder Betreiber einer deutschen Internetseite wird über Nacht zum Delinquenten einer Ordnungswidrigkeit gemacht und hängt mittelfristig von der Gnade einer selbst heillos überforderten Institution ab.» Das Zitat aus dem BerlinBlawg mache ich mir zueigen, ich distanziere mich nicht. Ich hätte es noch drastischer ausgedrückt. Bei der Masse (Menge, nicht Qualität) dessen, was deutsche Ministerialbürokratie so über den Abgeordneten ausschüttet von denen wahrlich genug, aber nicht alle Juristen sind!) ist es kein Wunder, wenn die nicht mehr so ganz genau zu wissen scheinen, was sie tun.

Also so eine Analyse hätte ich der WELT überhaupt nicht zugetraut:

Aus Sicht des durchschnittlichen Abgeordneten zerfällt das Volk, das er vertritt, in zwei große Blöcke: in die einen, die Wohltaten erhalten, und die anderen, die dafür bezahlen müssen. Regierungskunst im Wohlfahrtsstaat besteht in dem Talent, die Stimmen der einen, der Bittsteller, der Anspruchsberechtigten und der Zuwendungsempfänger, mit dem Geld zu kaufen, das man den anderen vorher abgenommen hat.

Vielleicht ein Fehler, dass ich die Zeitung zu Zeiten des Altkanzlers letztmalig gelesen habe und seitdem nicht mal mehr mit dem Rücken anschaute. Wer sich die Quelle anschaut: unbedingt auch die weiteren Artikel zum Thema lesen.

PhotoStream

  • IMG_1817
  • IMG_1810
  • image

Tweets

Kommentare

  • ute: Krass… aber das zeigt mal wieder, dass Polizisten auch keine Engel sind… traurig!
  • Wolf: Ist schon richtig. Aber sie können es nicht. Nicht in Regensburg, nicht in Göttingen. Und der Chef der DSO...
  • Dzeljadin: Ein Problem ist natürlich, dass die Ärztekammern tatsächlich mehr Einsicht in die Situation haben als...
  • Philipp: Keine Ahnung, ob ich bei dir überhaupt verlinkt war ;-) Aber falls ja bzw. falls du mich mit reinnehmen...
  • Marie Jakobs: MAFIÖSE ZUSTÄNDE IN DER ALTENPFLEGE. Wenn eine junge Frau einen 18-Jahre älteren Ehemann hat,der...