Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
Die Berliner Zeitung gehört schon lange nicht mehr zu meiner Lieblingslektüre, aber von Zeit zu Zeit findet auch eine Zeitung mal einen Korn (oder so). Man muss Dr. Rainer Hess nicht lieben, aber seinem messerscharfen Verstand ist nicht entgangen, dass die Politik ihn und sein Gremium vorschiebt, von Zeit zu Zeit im Stich lässt, es aber auch nicht besser weiß.
19 Aug
DocCheck berichtet über die merkwürdigen Pläne aus dem Berliner Gesundheitsministerium: zum Beispiel aus Herzklappen sollen “Medikamente” werden. Was das bedeutet? Es wird sehr viel teurer, die Lagerung muss neu geordnet werden, aus denen, die einem Spender ein Gewebe entnehmen, werden “Produzenten” mit allen an diese zu stellenden Anforderungen, Kompletttransplantate werden aus kommerziellen Interessen in Einzelteile zerlegt und verkauft … Wieder mal ein sehr gelungener Beitrag des Bundesministeriums für Gesundheit zur Lösung der anstehenden Probleme!
19 Aug
«Der CDU-Kandidat wolle sich ganz auf seine politische Arbeit in Berlin konzentrieren.» droht er laut Spiegel online. Schon am 01.08., aber erst heute entdeckt, hat das berlinblog sich inklusive eines Audiobeitrags mit dem ganz kleinen Karo beschäftigt.
… bis 2030, das jedenfalls meinen die interessierten Augenärzte. Der Professor Dr. Norbert Pfeiffer ist zufällig auch Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), die in diesem Jahr zum Thema “Augenheilkunde in der alternden Gesellschaft” in Berlin ihren Fachkongress abhält. Witzig sind die Augenärzte übrigens öfter: unter dem Namen myDOG bieten sie ihre Online-Mitgliederverwaltung an. Für Patienteninformationen ist die Homepage nicht so ganz der richtige Ort: wird alles gerade überarbeitet.
Die Welt schreibt über geheime Schwachstellen, der Chef im zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss meint, dass die Journalisten nur nix verstanden haben, ganz so einfach ist das jedenfalls alles nicht: nicht jede Auffälligkeit stellt sich auch nach Prüfung als Fehler heraus. Aber lesenswert ist der Artikel allemal, schon weil auch ich ja nichts verstanden habe. Und wer kann: der Qualitätsreport höchstselbst.
«Rheuma-Liga-Mitglieder erhalten einen Sonderrabatt auf apothekenpflichtige, nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel. Die Sanicare-Apotheke bietet zudem portofreien Versand und eine kostenlose 24-Stunden-Hotline.» In der Pressemeldung wird die Rheuma-Liga gleichzeitig als Deutschlands größte Selbsthilfeorganisation bezeichnet. Das sollten Journalisten mal unter zwei Gesichtspunkten recherchieren vor Nachdruck: handelt es sich wirklich um eine Selbsthilfeorganisation, d.h. haben auf allen Ebenen mehrheitlich Betroffene das Sagen? Und weiter: Ist die Rheuma-Liga in der Allianz Chronisch Seltener Erkrankungen vertreten? Wie passt hier die Größe der Organisation mit der angeblichen Seltenheit zusammen?
Grundsätzlich frage ich mich ob solche Verträge nicht die Unabhängigkeit von Selbsthilfe gefährden würden, d.h. wieviel Geld von einer Firma braucht es wohl um eine Patientenorganisation zu kaufen?
16 Aug
«Wer zahlt» titelt heute ZEIT online. Es geht darum, dass zuerst einmal die Kassen schuldenfrei sein müssten und die Krankenhäuser ein paar Millionen locker machen sollen. Die denken aber nicht dran. Und die reichen Kassen wollen ihren armen Kollegen auch nicht helfen. Und die Länder bringen sich ja auch schon in Stellung: Bayern will nicht, dass seine reichen Kassen etwas an die Kassen in anderen Bundesländern abgeben. Die Praxisgebühr habe es auch nicht gebracht meint die Netzeitung. Sie schreibt, dass die Versicherten immer mehr zahlen müssten. Also einig sind die Akteure auf Arzt-, Krankenhaus und Kassenseite sich alle nur wenn es gegen jeweils andere geht. Ansonsten: Alle gegen Alle, wie gehabt, als ob wir im Gesundheitsbereich kein Problem zum Lösen hätten. Und natürlich behaupten Sie alle: alles tun wir nur für die Patienten.
Schon am 03.08. hat der Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung erklärt, dass diese Einsparungen der Krankenkassen so nicht bleiben könnten. Dort war beschlossen worden, dass Vollnarkosen nicht mehr zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden können.
Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung waren sich zu Lasten der Patienten einig geworden. Sie hatten aber übersehen, dass eine Vollnarkose beim Zahnarzt nicht nur als Luxusleistung vorkommt. Vielmehr gibt es dort auch unabweisbar medizinisch notwendige Vollnarkosen, z.B. an Menschen mit Behinderungen.
Wäre es möglich künftig vor solchen Beschlüssen nachzudenken? Und da man sich doch monatlich mehrfach in den Gremiensitzungen begegnet: könnte man auf Seiten der so genannten “Bänke” (Gesetzl. Krankenkassen einerseits, Ärzte und Zahnärzte andererseits) einmal versuchen miteinander zu sprechen statt gegeneinander? Nur so als Anregung.
«Mit diesem Verfahren werden die Ergebnisqualität von Krankenhausbehandlungen und die Informationen und Orientierungsmöglichkeiten für Patienten kontinuierlich verbessert und ausgebaut», sagte Professor Michael-Jürgen Polonius, Vorsitzender des G-BA heute in Berlin. Soviel aus der Presseerklärung des Gemeinsamen Bundesausschusses, die leider nur als PDF zur Verfügung steht.
Die eigentlichen Qualitätsdaten finden sich dann ab dort, natürlich nur, wenn man Links in dunkelgrün auf hellerem grün (Hallo Doktors, schon mal was von genetischer Sehschwäche in dem Farbbereich gehört?) sehen und finden kann. Wer dann beim Vorwort landet und sich wundernd in den Quelltext schaut: «HTML 3.2 Final». Na denn, diese Anforderungen aus guten alten Zeiten (wann war das nochmal aktuelle?) dürfte in der Validierung doch so gut wie jeder schaffen, aber: Failed validation, 81 errors. Spätestens ab hier habe ich es aufgegeben.
Wenn dieses Verfahren (an dem ich ein klein wenig beteiligt bin) Patientinnen und Patienten etwas nutzen soll, dann muss man sich auch an durchaus erwartbaren Anforderungen orientieren, wenigstens ein wenig. Wie ausgerechnet die BQS GmbH, die ich als ausgesprochen kompetent erlebt habe, sich so eine grottenschlechte Webpräsenz leisten kann, werde ich morgen deren Geschäftsführer fragen.
«Es würde eine unbegründete Besserstellung derjenigen Menschen erfolgen, die in stationären Einrichtungen leben, wenn einmalige Leistungen an diese gewährt würden, die andere Hilfesuchende nicht mehr erhalten können. Das System der Einmalbeihilfen muss also auch im stationären Bereich praktiziert werden. » (aus dem Rechtsgutachten eines Dr. Jonathan Fahlbusch im Auftrag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. vom 01.08.2006, der sich vor allem um die Interessen der überörtlichen Träger der Sozialhilfe kümmert (das bedeutet wohl insbesondere darum, wie man auf Kosten von Anstaltsbewohnern die öffentlichen Kassen entlasten kann). Insbesondere ging es darum zu untersuchen, ob die bisherige Weihnachtsbeihilfe für Anstaltsinsassen weiter gezahlt werden müsse. Angeblich wurde sie 2005 in 6 Bundesländern noch gezahlt, 9 Bundesländer hatten die Zahlung schon eingestellt. Es geht um einen Betrag von unter 40 EURO einmal jährlich.
meint die Financial Times Deutschland und berichtet über eine Zertifizierung durch den TÜV Rheinland (Wer nicht bei drei auf dem Baum ist wird zertifiziert!). Eine Angehörige rückt das aber in ein recht schiefes Licht: gilt nur für Privatpatienten! “… Er hatte zuvor als Normalversicherter unsägliche Schmerzen zu erdulden. Auf der Privatstation war auf einmal alles anders. Nach 24 Stunden starb er und hatte tagelang unnötig gelitten. …” Wenn sowas von Ärzten gemacht wird haben sie kein Recht auf eine bessere Bezahlung, allemiteinander nicht!
Die Financial Times Deutschland berichtet über ein Hamburger Netzwerk zur Verbesserung der Information der Patientinnen. Da dort keine neue Beutelschneiderei zu erkennen ist könnte das ein seriöser Ansatz sein.
titelt DER TAGESSPIEGEL heute. Das verstehe ich gut, dass die Patientenbeauftragte von Berlins größtem (privatisiertem?) Krankenhausträger Kritik anmelden muss. Wie sie allerdings ihre Kritik glaubhaft halten will, wenn sie ausgerechnet mit den Privatisierungsideologen von Bertelsmann ein Informationsportal eröffnen will (und welche finanziellen Interessen da wohl hinter stehen?), das bleibt mir schleierhaft. Als ob es nicht bewährte und ausbaufähige Informationsangebote gebe? Nein, die sollen anscheinend mit den Liberalisten zusammen geschliffen werden. Oder es soll so einen Wust von Portalen geben, dass hinterher niemand mehr durchblickt und alle kostenpflichtige Beratungsleistungen in Anspruch nehmen müssen. Das wiederum sichert dann Arbeitsplätze. Ob’s der Gesundheit noch dient?
12 Aug

Boys need toys, und wenn die Boys sich dann irgendwann mal rasieren (sollten) werden die toys einfach teurer, mehr ändert sich nicht. Donnerstag bestellt, telefonisch erkundigt: «Ist an Lager und geht sofort raus.» Heute von der Post abgeholt (immer schellt der Paketbote mich aus dem Mittagsschlaf, nur gestern kam er erst kurz vor 16.00 Uhr, da war ich schon weg). Und dann habe ich das Paket voller Vorfreude ausgepackt.
… zitiere ich aus gegebenem Anlass:
Ein Politiker, der einen Flug antreten muß, erkundigt sich bei einem Mathematiker, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, daß eine Bombe im Flugzeug ist.
Der Mathematiker rechnet eine Woche lang und verkündet dann: “Die Warscheinlichkeit ist ein Zehntausendstel!”
Dem Politker ist das noch zu hoch, und er fragt den Mathematiker, ob es nicht eine Methode gibt, die Wahrscheinlichkeit zu senken.
Der Mathematiker verschwindet wieder für eine Woche und hat dann die Lösung.
Er sagt: “Nehmen sie doch selbst eine Bombe mit an Bord.
Die Wahrscheinlichkeit, daß zwei Bomben an Bord sind, ist dann das Produkt: /10000*1/10000 = eins zu Hundert Millionen.
Damit können sie beruhigt fliegen!”
Kassandras World
Und die Sache mit Dilbert sollte man auch unbedingt nachlesen. In Berlin ist bald Wahl.
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