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Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt

Die Qualität der Versorgung (von Patienten) in Krankenhäusern ist mir ein Anliegen. Heute sollten Journalisten informiert werden zu dem Thema. Hat gut geklappt. Aber wie brav die Damen und Herren des investigativen Qualitätsjournalismusses sich benommen haben, wie generös sie von einem Schwarzen Loch zum nächsten sich haben (ver-/vor-)führen lassen, also das hat mich wirklich überrascht. Ich habe, ohne Schwerhörigkeit, nicht eine kritische Frage vernommen. Da geht es in den Gremien aber wirklich härter zur Sache. Hätte ich nicht gedacht. Wenn die Berichte in den Medien dann so sind wie die Fragen im Seminar: Glückwunsch Publikum. Ihr wolltet nichts wissen und der Wunsch wird Euch erfüllt. Wenn wider Erwarten irgendeine Kritik auftaucht: über die wurde in der Konferenz nicht gesprochen, die muss sich jemand woanders beschafft haben.

Deutschlands führender Arzt, der Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Köhler, instrumentalisiert die Gremien der organisierten Ärzteschaft gegen einen gewählten Volksvertreter: der bei fast allen Ärzten verhasste Professor Karl Lauterbach soll (gemeinsam mit “Konsorten”) kalt gestellt werden. Angeblich berichtet das die Süddeutsche Zeitung schon am 01.12.06, ich lese es gerade bei kma-news.

Kann irgendein Arzt denn noch glauben, dass irgendein zivilisierter Demokrat ihm zuhört, solange solche Standesvertreter des Ton der Verhandlungen bestimmen? Mir kommt spontan in den Sinn, dass Ärzte doch auf Notwehr plädieren könnten wenn sie die Anwender solcher Methoden (die nach meiner Ansicht vom Staatsschutz bearbeitet gehören!) aus ihren Ämtern jagden. Und ich verstehe nicht was es bedeutet, dass das Bundesgesundheitsministerium eine Rechtsaufsicht über diese Körperschaft Öffentlichen Rechts ausübt.

Ehe es zu Missverständnissen kommt: aus meiner Sicht es unvertretbar, dass der Professor im Aufsichtsrat einer großen Privatklinik-Eignerin sitzt, somit höchstwahrscheinlich besonderen persönlichen finanziellen Nutzen aus seinem politischen Handeln ziehen kann. Ich finde das hat ein “Geschmäckle”. Dass dort auch ver.di Funktionäre und mit Brigitte Mohn auch Bertelsmann und damit die Großindustrie am Tische sitzen ist keine Entschuldigung, es verrät eher etwas über die Verflechtungen auch bei den anderen Interessengruppen in diesem Spiel. Wenn diese Aktiengesellschaft übrigens ca. 6% Rendite mit Kliniken erwirtschaftet: wo und wie hoch ist denn die Rendite der anderen Träger? Warum jammern die denn so über Kürzungen, verraten aber nicht, was sie so verdienen?

Das Stammzellpatent des Bonner Forschers Oliver Brüstle beinhaltete unmoralische Verfahren: menschliche Embryonen konnten danach in einem patentgeschützten Verfahren vernichtet oder geklont werden. Die Süddeutsche Zeitung berichtete über das Patentgerichtsverfahren, in dem sich Greenpeace gegen Brüstle nun durchsetzen konnte.

Brüstle sieht nun wieder alle Forscher auswandern. Dass der sich nicht zu blöd ist solcherlei Sprüche von der Qualität einer niederen Stammtischdiskussion von sich zu geben? Werner Bartens sieht in seinem Kommentar durch das Urteil eine Stärkung von Moral gegen die Angriffe der Forschungslobby.

Weitere Infos hier und hier und hier.

… und nicht in der Lage mich täglich zu melden. Seit 21.11. mit einer Ausnahme jeden Tag eine Sitzung, einmal zwei Tage in wenigstens nur einer Stadt; manchmal habe ich das Gefühl, dass in jedem November alle Gremienwelt glaubt, die Welt noch schnell retten zu müssen. Natürlich soll das bis Jahresende, besser noch vor den Adventssonntagen erledigt sein. Und so hetzen die Gremienmitglieder in die Gremiensitzungen, Tagesordnungen und Positionspapiere verschwimmen irgendwann vor den Augen, Schlafentzug ist keine Folter sondern wird zur Lebensart. Manche Sitzung erinnert mich an Loriots Szene mit Herrn Müller-Lüdenscheid und Herrn Dr. Klöbner in der Badewanne: wenn der eine ein Entchen hineinlässt, dann lässt der andere das Wasser heraus. So diskutieren wir schon mal drei Stunden über den Unterschied von “können” und “sollen” in einer Richtlinie, es werden Auszeiten genommen, Vorsitzende müssen nach den Sprechern der Gruppen auf Fluren und in Hinterzimmern suchen.

Und wenn man nicht wie ein Schiesshund (woher kommt eigentlich dieser Ausdruck?) aufpasst, dann mogeln die Verantwortlichen kleine Finessen in die Beschlüsse oder Papiere, Spitzfindigkeiten in die Fragestellungen an die Experten, dass es nicht nur keine Freude sondern eine Last wird.

Um dem eine Krone aufzusetzen: ich gehe jetzt erst mal für ca. eine Woche selbst in ein Krankenhaus meiner Wahl. Wünscht mir Glück! Das reicht zwar nicht, aber ohne ist nämlich schlecht.

Strappato schreibt heute mit wem die Deutsche Kinderkrebsstiftung und unter gleicher Postanschrift in Bonn und gleicher Domain auch die Deutsche Leukämie Forschungshilfe sich eingelassen haben. Hier stehen die Selbstverpflichtungen der Selbsthilfe zum Umgang mit der Wirtschaft. Pharma wurde extra nicht gesondert erwähnt um dort nicht anzuecken. Zumindest die beiden o.g. Organisationen müssten als Mitglieder der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe unterzeichnet haben.

Das «Bodenpersonal» macht dem lieben Gott nicht immer nur Freude: mal wird ein Stellvertreter bei schmuddeligen Aktionen mit Kindern erwischt, mal greift einer in die Kirchenkasse. Aber jetzt schlägt es dem Fass wirklich den Boden aus: «Selbst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ reibt sich in ihrer Mittwoch-Beilage „Natur und Wissenschaft“ die Augen. „Großzügiger“ hätte der „bischöfliche Segen nicht ausfallen können“ spottet das Blatt, und hält genüsslich fest, dass die Wissenschaft mit „so viel Entgegenkommen“ gar nicht gerechnet habe. Denn durch den von Huber vorgeschlagenen neuen Stichtag, den 31. Dezember 2005, erhielten die Forscher in Deutschland Zugang zu nahezu allen der derzeit 380 weltweit verfügbaren neueren embryonalen Stammzelllinien. Weiß man, dass für die meisten dieser Linien jeweils hunderte Embryonen ihr Leben lassen mussten, mag man von Ethik nicht mehr sprechen. In dem DFG-Papier findet die sich denn auch gleich sorgfältig entsorgt. Laut wird dort etwa über neue Definitionen des Embryos nachgedacht und selbst das vom Bundestag geächtete Klonen von Embryonen zu Forschungszwecken wird wieder angepriesen.» Die Tagespost

Es fällt mir schwer in dem Zusammenhang wirklich nur das völlige ethisch-moralische Versagen eines Mitglieds der Bodenmannschaft zu sehen, immerhin hat der Mann studiert, führt einen Professorentitel und war jahrelang scharf hinter seinem jetzigen Posten als Oberhirte der Evangelischen her. Bisher hatte jeder Bischof meinen Respekt, wenn nicht persönlich, so doch sein Amt. Das ist jetzt vorbei. Danke, Professor Huber. Deutlicher hätten Sie mir nicht mitteilen können, was meine Kirche vom Schutz menschlichen Lebens wirklich hält.

Der neue Verwaltungschef der Rheinischen Kliniken (Psychiatrie) in Bonn in seiner Antrittsrede: «Die aktuelle Situation der Rheinischen Kliniken Bonn erfordert konsequentes wirtschaftliches Verhalten. … Gute Ökonomie verschafft einer psychiatrischen Klinik die Voraussetzungen für humanitäres Handeln. Humanität ist die wesentliche Grundlage für den Umgang mit psychisch kranken Menschen.» Und für besondere Humanität im Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind Verwaltungschefs landauf landab bekannt. Die letzte Klinik unter seiner Leitung wurde privatisiert. Aber hier, versprachen die Politiker, wird das nicht gemacht. Hiller selbst musste im Rahmen dieser Privatisierung weder zum neuen Inhaber noch in die Zuständigkeit der Bundesagentur wechseln: er wurde im Öffentlichen Dienst weiter beschäftigt. Und jetzt Bonn. Glückwunsch nach dort, es bleibt spannend.

Arzt haftet für Schwangerschaft wie ein Erzeuger wenn seine Verhütungsmaßnahmen grob gegen die Regeln der Kunst verstoßen haben.

Die «Southwest Airline» zumindest sollten Pärchen meiden, die mehr als nur flüchtige Küsschen über der Erde tauschen wollen. Ich würde die Nachricht ja in einer Rubrik “Kampf gegen den Terror” speichern … Man sollte unbedingt Namen und Anschrift dieses Anwalts bei sich haben (auf Flügen in die USA).

Wenn Ärzte zu gierig werden berichtet schon mal ein «Insider» über besonders auffällige Praktiken, zum Beispiel des Landesgruppenvorsitzenden Hessen im Berufsverband Deutscher Internisten. Das sind die Leute, die Patientenselbsthilfe so gerne gegen die Gesundheitsreformen in den Straßenkampf schicken. Via Stationäre Aufnahme, die sich freut, dass einmal nicht die Pharmaindustrie zu den Bösen gehört.

Biopiraterie

Damit hätte ich mich auch längst einmal beschäftigen sollen, weiß kaum, um was es überhaupt geht.

«Medizinische Fragen stellt man dem Web besser nicht, sagt der gesunde Menschenverstand. Es sei denn, man will Höllenkreise erkunden und folgt dem Teufel, der mit beruhigenden Diagnosen lockt und das Schlimmste in Petto hält.» In TELEPOLIS hat Thomas Pany das so schön formuliert … ich selbst werde am Freitag einen richtigen Arzt aufsuchen, einen, der mir heute einen Termin passend zum Ende einer Sitzung gegeben hat, kurz: einem vertrauenswürdigen Arzt.

Sage mir niemand, ich hätte nicbt gewarnt. Jetzt können wir einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit auch die Namen der Beiratsmitglieder entnehmen. Die Zusammensetzung mit einer deutlichen Mehrheit bei den wirtschaftlichen Profiteuren eines Zusammenstreichens von Leistungen lässt das Beste, und nur das Beste, erwarten. Wenn die Liste der 75 Gründe aus Deutschland auszuwandern nicht schon abgeschlossen wäre: dieser Beirat wird noch ein paar Argumente hinzufügen.

Markus Grill vom «stern» schreibt in seinem Pharmablog über die Praktiken rund um Anwendungsbeobachtungen. Auch im Fernsehen kam das Thema inzwischen mal vor. Ärzte bekommen Honorare von Pharmafirmen dafür, dass sie ein Medikament verordnen und einen Fragebogen ausfüllen. Soweit aus meiner Kenntnis langweilig. Spannend finde ich mit welcher Unverfrorenheit das von Ärzten in den Kommentaren gerechtfertigt wird.

Sollen diese Ärzte doch besser heute als morgen auswandern, wohin auch immer, damit wir das System von ihnen befreien können. Sie sind es, die ein Heer von ehrlich und moralisch einwandfrei arbeitenden Ärzten schädigen, nicht zu vergessen die Patienten. Ihnen ist jedes Maß abhanden gekommen, anscheinend jedes Gefühl von Anstand. Solche miesen Typen verprassen zusammen mit koofmichs dubioser Firmen das Geld der Solidargemeinschaft.

Deutsche sind Weltmeister im Arztbesuchen meint der SPIEGEL online. Bei den unter 40 Jährigen gehen die Frauen doppelt so oft zum Arzt wie die Männer. Dafür haben sie dann auch fast doppelt so viel Depressionen. Einen Zusammenhang habe ich hier unseriös konstruiert. Aber zuviel Ärzte generieren zuviel Arztbesuche, 10% der Patienten verursachen 50% der Kosten, alles nicht ganz so neu. Und wenn die vielen Ärzte sich den Topf teilen sollen gibt es Ärger: sie fühlen sich ungerecht entlohnt. Logik scheint im Studium ebenso wenig vorzukommen wie die Geschäftsführung einer Praxis. Wo führt das hin?

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Kommentare

  • Wolf: Wie sie es erleben (fern und ignorant gegenüber jeder Realität) ist ihre Sache. Wenn sie aber unter Auslassung...
  • Claudia: Danke für die Erläuterung. Dass sie gegen die KV wettern (ich bezieh mich nicht auf bestimmte Fälle und hab...
  • Wolf: Hausärzteverband, Selektivverträge und so. Sie beschimpfen ihre eigene Monopolgarantiestelle KV in so...
  • Claudia: Was meinst du mit dem letzten Satz? Inwiefern “knacken Ärzte ihr eigenes Monopol” ? Dass sie...
  • Herrmann: Der Saftladen ändert sich nicht, und den Auftrag bekommt der auch immer zugeschoben, da ist keine...