Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
7 Jan
… mit Plätzchen und all dem Zeug. Und deshalb auch wieder der gewohnte An- Ein- und Ausblick. Was der mit diesem Blog zu tun habe wurde ich gefragt. Ich bin gerne dort, wo dieses Foto entstand. Erstmals kam ich von Colmars, der Blick ging sozusagen zurück, das anspruchsvollste Stück Weg hatte ich hinter mir. Am Ende der Passstraße erwartete mich ein unbedingt empfehlenswertes kleines Hotel (mit hervorragender Chefküche). Wer in Colmars übernachtet ist selber schuld.
»Das Bundesgesundheitsministerium stellt 570.000 Euro für den Aufbau einer Internetseite zu Verfügung. Die Internetseite bietet Pflegekräften ab Frühjahr 2007 die Möglichkeit, Fehler anonym in eine Internetseite des Kuratoriums Deutsche Altershilfe zu stellen. In einer Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums heißt es dazu, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Altenpflege durch das neue Projekt motiviert werden sollen, die Qualität der Pflege weiter zu verbessern.« Quelle: www.kma-online.de
Das hat Stil. Die Kosten des laufenden Betriebs sind da wohlweislich nicht enthalten. Aber wenn es gilt alte Freunde zu alimentieren war noch keine Regierung einfallslos. Und so eine Website mit Skandalberichten motiviert gnadenlos. Besser als Europa-Aktionen und Plakate und Runde Tische.
Unter http://www.bkk.de/arzneimittel-ohne-zuzahlung kann man sich bei Interesse informieren, ob das gerade verordnete Arzneimittel von der Zuzahlung befreit ist (oder bei einem anderen Hersteller befreit ist). Ein freundlicher Hinweis an den eigenen Arzt ist weder eine Beleidigung noch eine Zumutung, der kann nicht alles wissen. Aber vielleicht sind 500mg befreit, 1000mg nicht. Wenn er dann 2×500mg für gleich der anderen Verpackung hält …
5 Jan
Ist etwa ein Ansatz von Geschwätzigkeit in so kurzer Folge im Blog zu schreiben? Muss ich mal untersuchen. Bei meinem ersten Serienmordartikel habe ich ein wenig arg persönlich angefangen und will deshalb hier mit ein wenig Theorie (es ist wirklich nur wenig) nachlegen: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Menge von durchgeführten Behandlungen in einem Krankenhaus mit der Qualität der Ergebnisse derselben? Behauptet wird so ein Zusammenhang gerne von Politikerinnen. Die Mindestmenge (Vorschrift, nach der ein Krankenhaus eine Maßnahme nur abrechnen darf, wenn eine bestimmte Menge von Behandlungsfällen pro Jahr erreicht wird) ist Ergebnis der Politikervorliebe. Reaktion der Selbstverwaltungen ist, dass die Zahl so festgelegt wird, dass auch wirklich jede Provinzklitsche Einrichtung sie überschreitet, also überhaupt keine Wirkung entfaltet wird. Und hier nun der Versuch einer wissenschaftlichen Antwort auf die Frage nach der Mindestmenge.
Pflegepersonal (und Ärzte) argumentieren ja auch gerne damit, dass eine gewisse Anzahl von ihnen in den Krankenhäusern erforderlich sei um Patienten gesund zu machen. Oder umgekehrt: wenn sie zuviel arbeiten müssten würden Patienten nicht gesund, zumindest nicht so gesund, wie sie es würden, wenn es mehr von ihnen (den Pflegenden und den Ärzten) gebe. Habe ich es verstanden die Frage zu vernebeln? Dann ist gut. An Ärzte trauen wir uns erst mal nicht ran (wo kämen wir denn da hin?). Aber die Krankenschwestern haben keine Ehrenwerte Gesellschaft zum Schutz ihrer Interessen, da hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit sich einmal mit befasst und kommt zu keinem Ergebnis (geradezu weise). Ich wage die Voraussage nach tiefem Blick in meine Glaskugel: es gibt keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Zahl der Ärzte und Pflegenden und der Qualität ihrer Arbeit oder der Lebensqualität der von ihnen Bearbeiteten. Man muss halt die Fragen immer nur genug verschwurbeln, die Untersuchungsobjekte unvergleichbar genug halten, dann können wir schon zur eindeutigen Forderung eines “weiter so” kommen.
Also wieder zwei Kriterien raus bei der Frage: in welches Krankenhaus gehe ich denn nun am besten? Denn die Antwort muss lauten: es kommt darauf an.
Zu den regelmäßigen Lesern des Spiegels gehöre ich nicht, weder interessiert es mich an der Papierform Montags depressiv zu werden, noch gehöre ich zu den Bewunderern der Online-Redaktion, von der ich bisher wenig Gutes gehört habe. So bin ich eher durch Zufall auf einen sensationellen Artikel gestoßen: ein Kind wird immer Kind sein weil seine Eltern es so wollen und Ärzte so können.
Als Vater eines behinderten Kindes erlaube ich mir den Hinweis: trotz aller Schwierigkeiten habe ich immer versucht den vermuteten Wunsch meiner Tochter zu respektieren. Das schloss für mich immer ein, auch den Wunsch nach Abstand von mir zu vermuten (wohin habe ich meine Eltern gelegentlich gewünscht?) und Gelegenheit zum Ausleben zu geben. Aber ich weiß von anderen Eltern, dass sie planen rechtzeitig vor dem eigenen zufälligen Ableben gemeinsam mit ihrem behinderten Kind Selbstmord zu begehen. Sie trauen der Gesellschaft nicht mehr, dass sie sich verantwortungsvoll um behinderte Menschen kümmern wird, denen es nicht möglich ist, für die eigenen Interessen eine Menge Wirbel zu machen und lautstark bei jeder (gefühlten) Diskriminierung zu lamentieren. Ich kenne auch Eltern, die, selber längst im Großelternalter und die “Kinder” sowohl erwachsen als auch gut in der Lage selber ihre Interessen zu vertreten, noch immer als »Interessenvertreter ihrer Kinder« Ämter und Pöstchen besetzen, als Gerontokratie der Selbsthilfe Fortschritt blockieren und die Fortexistenz von Anstalten und ab- und verschließender (Wohlfahrts-)Strukturen garantieren.
Das ist ein weites Feld.
Update: Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie zu diesem Thema
4 Jan
Wie ich mir als ziemlich gut informierter Patient ein Krankenhaus aussuche fragte vor ein paar Wochen aus gegebenem Anlass medbrain. Ich habe mich zuerst von der OP erholen wollen. Aber wozu eigentlich? Deshalb heute ein paar persönliche Kriterien:
Als Patientenvertreter nach der Patientenbeteiligungsverordnung bin ich seit 2004 näher an ein paar Entscheidungsträgern dran. Ich erlebe Diskussionen, blicke hinter Kulissen, die anscheinend noch keinen Journalisten so interessiert haben, dass er sie seiner geneigten Kundschaft aufgezeigt hat. Vielleicht schaffen Journalisten auch nicht mehr als das Ranking der “100 besten Ärzte”. Zusätzlich zur Mitgliedschaft in den Gremien des Gemeinsamen Bundesausschusses wurde ich noch in zwei Fachgruppen der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH entsendet, die sich speziell mit stationärer vergleichender Qualitätssicherung befasst, unter anderem jährlich einen sehr umfangreichen Bericht über ein paar wenige Ausschnitte des Handelns in Krankenhäusern veröffentlicht. Während ich mich dort eher um die Interessen anderer Patienten bemühe geht es in dieser Serie um meine eigenen Erlebnisse. Mehr lesen »
3 Jan
Das Abmahnblog wird heute dringend zum Studium empfohlen. Vielleicht errinnern sich manche Leser noch: die Olympioniken wollen ein Blog wegen ein paar Berichten unter Nennung des Namens sowie Benutzung des Logos abmahnen, deren Anwälte verlangen horrende Gebühren und setzen einen wahnsinnig hohen Streitwert an, die Blogbetreiber können sich eine Verteidigung nicht leisten. Solch einem Irrsinn soll mit Hilfe der Petition ein Riegel vorgeschoben werden. Aus der Mitte der Parlaments ist bei den vielen personellen Verschwurbelungen keine Abhilfe im Sinne der Bürger zu erwarten.
Da kommt mir doch gerade noch ein Vorgang unter: im Vertragsarztrechtsänderungsgesetz sind auch Leistungen ausgeweitet worden. Die Patientenvertreter, das sind Leute wie ich, die schon mal 12-48 Sitzungstage damit verbringen, dass Ärzte und Krankenkassen sowie Krankenhäuser nicht in allen Fragen über die Patienteninteressen hinweg streiten und sich nur mit den jeweils eigenen Einkommen beschäftigen, die zur Vor- und Nachbereitung solcher Sitzungen noch einmal die gleiche Zahl von Arbeitstagen verwenden, die Schulungen besuchen, die mit Verbänden das Vorgehen abstimmen, die sich dem Verdacht aussetzen von der Pharmaindustrie bestochen worden zu sein und nur deren Interessen zu vertreten, die sollen pro Sitzungstag eine Pauschale von Euro 50 bekommen. Pauschale deshalb, weil damit alle Vor- und Nachbereitung auch abgegolten sein soll, auch die Fachliteratur soll damit bezahlt sein.
Aber jetzt: damit wir nicht übermütig werden muss der Betrag voll versteuert werden. Eine Vergünstigung wie für einen Fußballtrainer kommt laut Finanzministerium nicht in Frage, das würde den Staat ruinieren. Auf welchem Planeten leben diese Ministerialbeamten eigentlich? Selber Sekt saufen und uns Enthaltsamkeit predigen? Und dieser Schurke aus dem Berliner Landtag mit den Banken läuft immer noch frei rum. Frohes Fest auch!
22 Dez
Die “Freie Ärzteschaft e.V.”, das sind wohl die mit der Strafanzeige gegen Ulla Schmidt, schickt ja gerne Pamphlete durch die Selbsthilfe. Gerade kommt eine Mail mit dem Aufruf Schwarze Schleifen zum Zeichen der Trauer zu tragen:
“Wir haben mit dieser Aktion eine einfache, aber gute Möglichkeit, mit breiter Außenwirkung ein Zeichen gegen die derzeitig undemokratische Gesundheitspolitik in Deutschland zu setzen.
Die Gesundheit geht alle an, das ganze Volk ist betroffen.
Die Volksvertreter müssen sich überlegen, ob sie weiterhin ohne Rückhalt der Bevölkerung regieren können oder wollen. Die Ärzteschaft betrauert mit der Bevölkerung die Zerschlagung der flächendeckenden wohnortnahen medizinischen Versorgung in Deutschland und den Einzug der Staatsmedizin.”
Da wird kein einziger Vorschlag gemacht, da wird nur wegen der Mindereinnahmen gejammert. Mir kommt da immer der Liebermann in den Sinn. Nein, nicht das Pharma-Unternehmen, der Maler, der nicht genug fressen konnte.
Übrigens einen Besuch wert: die Liebermann-Villa am Wannsee, bei schönem Wetter geradezu ein Muss in Berlin, aber besser ohne Auto, denn Parkplätze ist da eher nicht wenn das Wetter gut ist.
… dass sie nun weniger Geld bekämen. Nur: die Ausgaben der Kassen steigen in 2007. Gut, ein Teil davon ist für die illegale und unverantwortliche Schuldenpolitik der Kassen fällig (Warum werden die Vorstände für so was eigentlich nicht bestraft? Wer hat denn da eine Rechtsaufsicht?), aber alles kann nicht dafür bestimmt sein.
Beitragserhöhungen großer Krankenkassen (Stand: 21.12.2006) Veränderung in Prozentpunkten Neuer Satz ab 1.1.07; zzgl. Sonderbeitrag von 0,9 Punkten nur für Arbeitnehmer AOK Bayern + 0,9 14,5 AOK Brandenburg + 1,3 14,9 AOK Bremen/Bremerhaven + 0,7 14,3 AOK Hessen + 0,5 14,9 AOK Niedersachsen + 0,6 14,1 AOK Rheinland/Hamburg + 0,9 14,3 AOK Rheinland-Pfalz + 1,6 15,5 AOK Saarland + 1,2 15,8 AOK Sachsen-Anhalt + 1,3 14,8 AOK Thüringen +/- 0 13,6 AOK Westfalen-Lippe + 0,8 13,8 Techniker Krankenkasse + 0,3 13,5 KKH + 0,7 13,9 Barmer Ersatzkasse + 0,6 14,4 Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) + 0,7 14,5 Quelle: Angaben der Kassen.
Fragen Sie doch mal den mit Millionenaufwand gewählten Verwaltungsrat (Sozialwahl. Sie erinnern sich?) oder wie immer diese Versorgungspöstchen für abgebrannte Funktionäre von Gewerkschaften, Parteien, Sozialverbänden und wem immer noch heißen. Und fragen Sie Ihre Kasse doch mal nach Name und Anschrift der Mitglieder des Beschwerdeausschusses. Berichten Sie mir über die Antworten, ich würde mich freuen und Sie werden sich wundern.
21 Dez
Eigentlich will ich hier keine Werbung sehen, weder bebildert noch betextet. Aber wenn eine deutsche Firma britischen Humor (oder was ich dafür halte) … deutsche Nachbarn.
Die DAMA wird kommen. Heute hat das Kabinett zugestimmt und sich damit den von Ulla Schmidt vorbereiteten Weg zueigen gemacht. Ulla Schmidt jubelt: «Gleichzeitig soll innerhalb der Agentur die laufende Nutzen-Risiko-Bewertung der im Markt befindlichen Arzneimittel (Pharmakovigilanz) intensiviert werden. Als Bundesstelle für Pharmakovigilanz soll diese weitgehende fachliche Eigenständigkeit besitzen. Mit der neuen DAMA werden Forderungen nach Stärkung der Pharmakovigilanz aufgegriffen und wird international ein zukunftsweisendes Modell geschaffen.» Gesetzentwurf, PDF
Eher nicht, aber hier gibt es ein erschütterndes Beispiel. Danke ans Autismus-Weblog!
18 Dez
Die Frage beschäftigt Wissenschaftler schon seit langem. Ich selbst spreche lieber von «moralischem Verhalten», denn ich glaube nicht an die Existenz einer Moral. Eher sehe ich Ethiken, davon inzwischen so viele, dass man vor lauter Ethiken schon mal vergisst, was sich gehört. So z.B. ein berühmter Medizinforscher in Berlin, der schon mal Menschenexperimente der Art macht, dass dabei Menschen vorher erkennbar zu Schaden kommen. Ist nicht neu, hatten wir in Berlin schon mal. Aber zurück zur Frage der Angeborenheit: ein paar Gedanken dazu finden sich im «Psychologieblog».
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