Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
4 Jul
… und wieder da. Das Brötchen zum Frühstück? Gnädiges Vergessen. Das Hähnchen CordonBleu war dagegen schon wieder ganz prima. «Wenn der Jung erst wieder isst …» Die Oma hatte recht. Ich freu’ mich ja so, immer wenn der Schmerz nachlässt!
3 Jul
Anderthalb, das wird reichen, macht doch was Ihr wollt.
Ich kann es nicht lassen: wieder mal ins Krankenhaus um zu prüfen, ob die Realität was mit der Wirklichkeit zu tun hat. Mal schauen wie ich es jetzt verkrafte. Ob ich süchtig bin? Nee, sowenig Schmerzmittel wie zuletzt machen bestimmt nicht süchtig. Andere laden in der Zeit fast pausenlos Fotos zu flickr hoch, wahrscheinlich wieder alles über Essen. Leute gibt’s … Ob die noch zensieren oder sind die wieder normal geworden?
29 Jun
«Na, geht’s denn noch?», fragt ein Freund nach einem Aufzählen meiner Termine in dieser Woche. Immerhin: Freitag ist Bürotag und da wird auch berichtet.
Montagmorgen noch schnell zur Augenärztin. Das habe ich noch berichtet. Inzwischen ist meine Begeisterung auch abgeklungen. Mittags ging es dann (noch zuviel Gas im Auge, nicht zuviel Zeit wie Nachwuchspolitikerinnen) mit der Bahn nach Dresden. Große Vorfreude, denn das Treffen der Qualitäter der Landesebene mit jenen der Bundesebene war bisher immer ein Quell überschäumender Lebensfreude. Als Patientenvertreter spürte man deutlich Engagement und Begeisterung der Landesebene die Vorgaben der Bundesebene umzusetzen, transparent zu berichten und vor allem immer wieder darzustellen wie erfolgreich die Guten von den Besseren gelernt haben.
Vom Hotelzimmer diesmal keine Fotos bei flickr. Liegt nicht an der Zensur dort, vielmehr kann ich mit meinen durchaus eingeschränkten Sehfähigkeiten zur Zeit nicht einmal den Auslöser an der Kamera finden. Aber Holiday Inn in Dresden-Neustadt mit durchaus gutem Restaurant, Zimmer mit einer etwas aufdringlichen Klimaanlage und Gewitter in der Luft macht leider auch Gewitter im Auge, etwas wenig Schlaf. Vielleicht aber auch wegen o.e. Vorfreude.
Zu meiner Überraschung jedoch diesmal nicht der argumentative Stellungskrieg aus den altbekannten Gräben (ist das überhaupt valide, bei uns ist aber alles anders, die Fachgruppe sieht das kritisch, unsere Fachgruppe noch kritischer, gibt es überhaupt Evidenz …). Vielmehr die Einsicht in gut aufgestellten Länderstellen, dass man sich vielleicht doch lieber nicht zum Jagen tragen lassen sollte. Freiwilliger und frühzeitiger Einstieg auf das Postulat der Transparenz gibt Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume. Und so wollen die Länderebenen sogar vielfach ohne gesetzliche Verpflichtung Patienten beteiligen. Einige Vorreiter haben sich nach Gutsherrenart ihre eigenen Patientenvertreter ausgewählt, Berlin hat eine Mitarbeiterin der Senatorin (mit dem täuschenden Titel “Patientenbeauftragte”) gewählt, mal schauen wen die dann so wirklich vertreten wird, Bayern hat sich sogar schon zwei Patienten ausgesucht, die arbeiten auch ganz geräuschlos und prima mit (und Bayern ist stolz darauf, dass dort die Ärzte noch wissen, was für uns Patienten gut ist!), Hamburg hat mal wieder allen eine Nase gedreht und die autorisierte Patientenvertretung zur Mitarbeit eingeladen (diese Hanseaten sind einfach mutiger), auch Nordrhein will das tun, Hessen hat schon eingeladen … Bewegung fast überall auf dieser Ebene. Gespannt dürfen wir selbst sein, ob es den autorisierten Stellen gelingt “aus dem Nichts” über 30 dafür qualifizierte Menschen aufzutreiben, die solche Arbeit unbezahlt auf sich nehmen und das auch noch können.
Dienstagnachmittag ging es dann gemächlich mit der Bahn nach Siegburg. Über fünf Stunden Bahnfahrt sind doch eine Geduldsprobe wenn man nicht lesen kann. Ein wenig Musik zwischendurch half durchzuhalten. Das Hotel dort (Kasserolle) ist schon im Set “Hotelzimmer” fotografiert.
Mittwochfrüh dann mit den Experten von Leistungserbringern und Kostenträgern überlegt, wie man die neuen Möglichkeiten der aktuellen Gesundheitsreform für sektorübergreifende Qualitätssicherung nutzen kann. Bisher wird Qualität im Gesundheitswesen, wenn überhaupt (!), nur innerhalbb der Sektoren “stationär”, “ambulant”, “Reha” betrieben. «Nachts um halb eins macht jeder seins.» Patienten bleiben damit oft “auf der Strecke”, weil sich jeder Akteur reinwäscht, es liegt, wenn überhaupt mal ein Fehler zugegeben wird, immer “am anderen”. Das letzte Gesetzeswerk hat die Möglichkeit eröffnet immerhin stationär und ambulant gemeinsam zu betrachten. Die Anschlussheilbehandlung fehlt leider (ohne einen sachlichen Grund!), aber man lernt mit kleinen Fortschritten zu leben. Aus Patientensicht ist das “Entlassungsmanagement” beobachtungsbedürftig. Werden Freitags Patienten auf die Straße gekippt ohne Medikamente, ohne ihren Hausarzt noch erreichen zu können, ohne Pflege vorher organisiert zu haben, ohne Aufklärung von Angehörigen was nun wichtig ist usw. usf. «Nie nicht tun wir das», sagen natürlich alle Werktätigen der Gesundheitsindustrie. Erinnert mich in Verbindung mit den durchaus häufigeren Patientenklagen an «Alle Kreter lügen.» Wir können ja mal anstoßen uns das genauer anzusehen.
Nach dieser Sitzung sehr komfortabel mitgenommen worden nach Düsseldorf. Schon auf der Autofahrt noch ein paar QS-Themen besprochen. Faszinierende Erkenntnisse sind möglich. Vorbehalte der Aktiven müssen abgebaut werden. Was, wenn nicht Qualität, sollte denn zur Steuerung eines so komplexen Systems heran gezogen werden bei einem Mindestanspruch an Sachlichkeit? Hotel und Zimmer sind auch schon fotografisch festgehalten, das Hotelrestaurant war diesmal so grottenschlecht, da gehe ich demnächst lieber an die Frittenbude.
Donnerstag dann in Düsseldorf mit sehr engagierten Neonatologen (die kümmern sich um die Risikokleinstkinder) an den Fragen der Einrichtung eines Bundesverfahrens Qualitätssicherung für diesen Fachbereich gearbeitet. Ziel ist eigentlich eine gemeinsame Erhebung von Daten mit denen der Mütter, aber wenn da der Datenschutz unüberwindbare Hürden aufbauen sollte (man hat es mit 16b Landesdatenschützern und einem Bundesdatenschützer zu tun, 17 Gesetze, die nicht alle wirklich aufeinander abgestimmt sind, vom bayerischen Sonderweg will ich nicht sprechen), dann soll zumindest schon einmal ein bundeseinheitliches Verfahren so entwickelt werden, dass es zu gegebener Zeit zusammen geführt werden kann ohne größere Schwierigkeiten. Aus Patientensicht ist es beeindruckend wie engagiert da viele Kinderärzte Zeit und Grips einsetzen, das ist anstrengend und hinterher werden es bestimmt viele besser gewusst haben. Aber: Hut ab! an dieser Stelle.
Und danach nur noch knapp vier Stunden Zugfahrt nach Berlin, ausführlich Schlaf und heute Büroarbeiten. Bei Bahn fällt mir noch ein: als gewordener Nichtraucher habe ich online jeweils einen Nichtraucherplatz reserviert. Die Fahrkarten kamen auch rechtzeitig. Aber ich hatte immer einen Platz in dem gemischten Nichtraucher/Raucherwagen, mehrfach war die Zwischentür auch noch defekt. Hat schon mal einer dem Mehdron erklärt, dass das dann eigentlich nicht als Nichtraucherplatz verkauft werden dürfte? Und was soll den Unsinn den geringsmöglich rauchfreien Platz als Nichtraucherplatz online bevorzugt anzubieten? So gewinnt die Bahn mich nicht als Dauerkunden, dann doch lieber wieder Flugzeuge. Die sollen ja bald auch mehr Platz bieten.
25 Jun
Kann auch richtig weh tun, Glas aufsetzen, alles so empfindlich, ich auch empfindlich, mag nicht mehr. Druck zu hoch, Wimper ins Auge operiert, rausgezupft. Warum hat mich vorher niemand gefragt? Wehleidig! Sehe schlecht. Kopfschmerzen, eigentlich andauernd. Schmerzfreie Behandlung wäre ein schönes Qualitätsziel. Warum machen die anderen da nicht mit?
22 Jun
Ein Dachverband der Art «Geldsammeln auf Mitleidschiene» verschickt unter dem Betreff «Mitgliedsbeitrag» pauschal Zahlungserinnerungen an alle Mitglieder (ohne vorher geprüft zu haben, ob tatsächlich ein Beitrag aussteht). Da das erkennbar so ein lasches Verhalten war («sucht Ihr doch, wozu soll ich für mein Geld auch noch arbeiten?») habe ich mal nachgefragt. Außer einer geschmacklosen Bemerkung zu meiner Behinderung kam da nicht viel von der Geschäftsführerin. Sie hält es wohl für eine Zumutung vor einer Mahnung tatsächlich prüfen zu sollen. Überrascht mich nicht wirklich. Fleißiges und gründliches Arbeiten ist nicht jederfraus Sache. Champagnerempfänge und Buffets gegen das Leid in der Welt wohl eher.
22 Jun
Gelegentlich treffe ich auf eine besonders eklige Belästigung für einen sehbehinderten Menschen im Netz: bei Verweilen der Maus über einem Link taucht ein kleines Fenster auf. Snapshot nennt sich dieser Mist, stellt dann sowas wie einen miniaturisierten screenshot der bei Klick auf den Link zu erwartenden Website dar. Als ob ich nicht warten könnte bis ich wirklich dort bin? Und das Tool gibt auch noch vor, dass man es für diese eine Seite oder alle Seiten abschalten könne. Geht aber nicht. Werden wahrscheinlich wieder nur eklige Strohkekse hinterlegt oder irgendwelche persönlichen Daten an Stellen übermittelt, denen ich nicht mal die Hand reichen würde, wüsste ich von ihnen.
Bin mit meiner Geduld nun am Ende. Wenn so ein ekliger Kleb wieder mal auftaucht wird die entsprechende Website aus meinen Verzeichnissen getilgt, ohne Rückfrage, ohne weitere Erklärung. Ich muss auf der Straße jeden Hundeschiss nehmen wie er hinterlassen wird, auf meinem Bildschirm habe ich ein paar klitzekleine Resteinflüsse. Die werde ich nutzen. Hinfort Ihr Werbewichte! Der Rest meiner Sehkraft gehört mir!
22 Jun
Soll Leute geben, die haben einen Antrag gestellt, mir das Sprechen mit anderen Leuten zu verbieten. Fängt das so an wenn man wichtig wird? Oder sind solche Figuren einfach nur witzig (im Sinn von lächerlich)? Wenn man Sach- und Fachkenntnis durch “stramme Haltung” ersetzen zu können glaubt, spätestens dann sollte man einen längeren Aufenthalt im Irrenhaus terminieren oder in der Lokalpolitik ein Reservat beantragen. Vor allem Leute, die behaupten Patienteninteressen zu vertreten, aber eigentlich nicht mal begründen, was sie tun. Ernannte Interessenvertreter eben, Ungewählte, Möchtegernfachleute, Politrucks. Ist irgendwo eine Senatsdirektorinnenstelle frei?
22 Jun
Bei Gewitter schmerzt alles wie verrückt. War schon nach der letzten Augen-OP so. Hat sich nicht geändert. Fortschritt sieht anders aus, Ihr Opthalmologen, Ihr! Netzhautprothesen erforschen die nicht richtig gehen, aber nix gegen Schmerzen tun. Pappnasen!
20 Jun
Eine wegen des Arbeitsumfangs auf zwei Tage angesetzte Sitzung konnte gestern zum Wohlwollen fast aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach nur einem Tag abgeschlossen werden. Alle Punkte erledigt, nicht der sonst wenig seltene Kampf aus altbekannten Gräben raus, konstruktiv miteinander gearbeitet. In Kürze kann dann der Gemeinsame Bundesausschuss die Qualitätszahlen zur Veröffentlichung freigeben, alle vorbereitenden Beschlüsse und Beratungen sind erfolgt.
Was heißt das für die Qualität in deutschen Krankenhäusern? Die Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Vorweg: die Zahlen dürften stimmen, sie stimmen soweit kontrolliert mit den Patientenakten überein, es ist mehr als eine freiwillige Erhebung solcher Daten (z.B. USA). Problemsituationen sind erkennbar und werden nicht mehr als üblich (Arztsprache zum Verdecken von Kritik vor Nichtärzten) geschönt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Repräsentativität picke ich mir heraus:
Werden ältere Menschen mit Knochenfrakturen später operiert als jüngere Menschen, obwohl fachlich die Wichtigkeit schnellstmöglicher Versorgung bekannt ist? Liegen die Gründe dafür im Krankenhaus oder/und sind von den dort Handelnden zu beeinflussen? Wenn es für eine schnelle OP Evidenz aus Studien in anderen Ländern aber nicht in Deutschland gibt: dürfen wir dann so tun, als wüssten wir nicht genug?
Wenn zwischen dem Eintreffen einer Schwangeren im Notfall und der Entbindung mehr als doppelt soviel Zeit vergeht wie als fachlich sinnvoll angesehen werden kann: dürfen wir das hinnehmen weil es jedes Jahr weniges Häuser geworden sind, denen das so unterläuft? Müssen wir nicht mal dazu anstiften so eine Abteilung zu schließen, wenigstens als abschrecekndes Beispiel für die anderen Abteilungen?
Wie steht es um die Qualität in den Bereichen, in denen eine externe verpflichtende Datenerhebung nicht stattfindet? Müssen wir Patientinnen und Patienten nicht darauf dringen, dass Daten erhoben werden? Dürfen wir uns von Ärzten dahin manipulieren lassen, dass dies nur unnötige Büroarbeit wäre und sie vom Heilen abhielte? Dürfen wir uns von den Kassen von solchen Forderungen abhalten lassen, denen das vielleicht nur “zu teuer” ist?
Und für heute soll es damit genug sein: darf die Veröffentlichung und die Erhebung und Bearbeitung der Daten in einer Hand liegen oder muss das voneinander getrennt werden (wie es eine große Stiftung gemeinsam mit einer kleinen Zahl von Patientenvertretern unter Hinweis auf z.B. die USA fordert?)? Aus meiner Sicht sind diese beiden Aufgaben in einer Hand sinnvoll gebündelt immer dann, wenn eine genügend wirksame Kontrolle durch Dritte greift (worunter ich hier eine Quasi-Notarfunktion der Patientenvertreter verstehe). Aber diese Dritten müssen operativ leitend eingebunden sein, sie dürfen nicht manipulierbar bleiben durch gezielte Informationsteilhabe oder -verweigerung. Und da sind die beiden bisherigen Großspieler gefordert: Kassen und Krankenhausgesellschaft müssen sich überwinden die “Dritte Kraft” endlich wirksam einzubinden. Wenn sie weiter darauf warten, bis das vom Gesetzgeber vorgeschrieben wird: bitteschön. Dann aber auch nicht jammern, wenn wieder mal ein paar Gegner der Patientenbeteiligung abgeschafft oder kalt gestellt werden. Lieber Synergien ausloten und nutzen als weiter Kampflinien abstecken!
P.S.: Mein geliebter Fachbereich Augenheilkunde unterliegt keiner gesetzlich verpflichtenden externen vergleichenden Kontrolle. Waren die Augenärzte besonders clever sich so zu entziehen? Welche Auswirkungen hat der Verzicht auf Kontrolle auf die Qualität? Darf ich mich auch aus eigener Betroffenheit einmischen?
19 Jun
Bisher habe ich mich bei meinen Berichten noch kaum mit dem Pflegepersonal befasst. Das will ich nun nachholen. Eine gewisse Verrohung bei manchen Krankenschwestern ist nicht zu übersehen. Da wird wenig Rücksicht genommen auf den Zustand des Patienten, Schmerzen gehören zum Heilungsprozess, einer gewissen Läuterung des Patienten durch Geißelung ist Schwester Brutalo verpflichtet. Da sie das verbindet mit der Sprache, in der Kindergartentanten mit ihren Schützlingen zu sprechen pflegten (nun wollen wir mal schön trinken), wirkt sie auf mich obskur. Dazu passt dann auch die Drohung: «Wenn Sie jetzt nicht mehr trinken müssen wir ihnen eine Infusion anhängen.» Das 26°C warme Wasser (ich berichtete) war allerdings im Vergleich zu einer netten Glukose-Pulle eindeutig Verlierer, der Zugang lag noch. Den hätte sie vor ihrer Drohung ziehen müssen.
Schwester Sanft. ist da wesentlich angenehmer. Sie lässt mich die Lider selber auseinanderziehen beim Tropfen, sie tropft zuerst die brennende Lösung und danach die milderen Wässerchen, Kindersprache ist ihr fremd. Dafür erwartet sie auf die Frage nach dem Wohlergehen ein kerniges «sehr gut». Mit einem «schlecht, mir ist übel und schwindelig» kann sie sich nicht abfinden: «Sie sind doch ein junger Mann. Sie sind doch kräftig.» Charmant. Aber mir fehlte kaum 24 Stunden nach der OP ein wenig der Sinn für Komplimente. Auf mein folgendes: «Ja, es geht mir blendend, ich bin nur zum Vergnügen hier», war sie dann doch geschockt. Aber ich musste trotzdem zum Untersuchungsraum laufen. Dass sie für den Rückweg dann ein Bett holen musste, hat sie mir bestimmt nicht verziehen. Ich ihr den Kollaps auch nicht.
Was bisher geschah … kann ja jeder nachlesen. Nachtragen möchte ich, dass ich am Tag nach der OP dreimal im Untersuchungsraum kollabierte. Mein Kreislauf war einfach nicht richtig auf Touren zu bekommen (ohne jede Unterstützung), und Schmerzen beim Rumdrücken auf dem geschwollenen Lid in Verbindung mit einem Luftgemisch, dessen Sauerstoffanteil bemerkenswert gering war, wirkten zusammen. Als ich es einem Freund erzählte lachte der nur: vor vielen Jahren hatte er in der Famulatur schon in solchen Luftgemischen gearbeitet, Augenabteilungen sind für diesen Mief bekannt, Fenster oder Klimaanlagen gibt es nicht oder sie sind außer Betrieb.
17 Jun
Angeblich wegen der strengen Gesetze z.B. in Deutschland zensiert der Fotospeicherdienst flickr (den ich auch benutze) seit ein paar Tagen die Fotos seiner Benutzer speziell für Besucher aus Deutschland (und ein paar anderen Ländern). Dabei sind doch die Amis so verrückt wegen ein paar Nippeln gleich Livesendungen abzuschaffen, darüber regt sich hier doch nicht mal mehr eine Kindergartentante auf. Man sollte die Verantwortlichen auf das Örtchen schicken. Zum Nachdenken. Denn mit dem Denken haben sie es ja wohl nicht so stark.
16 Jun
Ob Augentropfen (Clonid-Optal, Dexamytrex, Betoptima, Trusopt) den Geschmackssinn so beeinträchtigen können, dass man ein ganz hervorragendes Mineralwasser trinkt, Wassertemperatur gleichbleibend 26°C, es aber für eine abscheuliche Brühe hält? Verdächtig macht sich der Hersteller bei mir, weil diese Flaschen nicht in seinem Gesamtsortiment abgebildet sind. Vielleicht werden auch Altbestände in der Klinik abversorgt? Mehr fragen als Antworten. Gut für die Beteiligten, dass ich kein Journalist bin. Ich würde diese kleinen Geschichten sehr lieben.
Immerhin hatte mein Zimmer einen Kühlschrank. Wie kann man nur glauben, dass so eine warme Brühe irgendwen animiert etwas für den Flüssigkeitsspiegel oral zu tun? Ärzte, Schwestern, tststs.
15 Jun
Keine Sitte: letzten Sonntag beim Frühstück plötzlich Sehfeldeinschränkung bemerkt. Schwache Erinnerung: das hatte ich schon mal. Sowas nennt sich Ablatio ret. (wobei ret. für retinae steht). Und dann heißt es: husch, husch in die Fachabteilung zum Raussaugen des Wässerchens hinter der Netzhaut, selbige wieder anpappen, Risse und Löcher flicken (damit da nicht gleich wieder …) und ordentlich Gas rein (zum Andrücken) und ne Art Gürtel drum, fettich.
Aber so einfach ist das nicht: nur gegen ernstesten Widerstand aller mir begegnenden Ärzte konnte ich meinen P-Patienten-Status durchsetzen. Selbst die Krankenschwester wurde wohl von Sozialneid erfasst und gönnte es mir nicht. Habe gut ein Dutzend mal unterschrieben. Konnte nicht lesen was drin stand. Bei Entlassung wollte man dann, ich sei ja “P”, noch ein paar Unterschriften. Bin gespannt, wann hier die Waschmaschinen und Bausparverträge auftauchen.
Und dann begegnete ich noch einer ganz außergewöhnlichen Augenoberärztin: die meinte zwei Netzhauptablösungen zu kennen. Eine müsse ganz schnell operiert werden, die andere erst am nächsten Tag. Als ich nach ein wenig Literatur dazu fragte wurde sie einsilbig und drückte schmerzhaft auf meinem Auge rum (Rausdrücken nannte sie das). Ich nannte das Revanchefoul und würde sie vom Platz stellen. Letztlich räumte sie ein, es gebe medizinische Aspekte des Falls und organisatorische. Als ich die medizinischen wählte war alles klar: der operierende Oberarzt hatte einen versauten Sonntagabend und ich schmerzhafte Zeiten vor mir.
Jetzt überlege ich nur noch: soll Frau Dr. R. sich bei mir entschuldigen und gut oder soll ich es ans Schwarze Brett in der Klinik heften? Das Revanchefoul verdient eigentlich keine Milde, die Frau ist charakterlich geschädigt und sollte keine Karriere vor sich haben.
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