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Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt

Archiv der Kategorie ‘Kann ich nicht leiden

Ethikrat

«… am kommenden Mittwoch, 13.02.2008, wird von 13.00 bis 13.05 Uhr ohne Aussprache im Plenum der neue Deutsche Ethikrat gewählt.»

Interessant. Und so will diese Regierung angeblich Politik- und Politikerverdrossenheit angehen? Na denn. Mal sehen, ob sich Bundesministerin Schavan eine hochrangige Riege unkritischer oder zumindest mehrheitlich unkritischer Befürworter der eigenen Minderheitenposition zusammen gesucht hat. Ein paar Feigenblätter muss und wird es natürlich geben.

Aus alten Tagen kenne ich noch die Bezeichnung «Höflichkeit der Könige» als Umschreibung für Pünktlichkeit. Wenn ich jetzt darauf hinweise geht es mir nicht um 15 Minuten, das bin ich als Rheinländer gewöhnt. Schließlich gehört es zu meinen schmerzlichen Erfahrungen, dass in Berlin die Busse zu genau der Uhrzeit abfahren, die im Fahrplan an der Haltestelle angeschlagen steht. Nein, mir geht es darum, dass ich zum zweiten Mal über eine halbe Stunde in einem mäßig gemütlichen Flur warten musste, obwohl ich zu genau einem Termin mit Uhrzeit «geladen» war. Aber ich bemerke gerade: keine Könige. Und ich halte es für schlechtes Benehmen, proletig. (Ach ja: es war kein Warten im Wartezimmer, da hätte ich längst den Arzt gewechselt, das können die sich in Berlin bei selbstbewussten Patienten schon lange nicht mehr leisten, es war ein Ausschusstermin, also lauter Funktionäre.) Will das Montag mal mit der Leitung des Hauses besprechen. Alternative zur Entschuldigung ist eine Protokollnotiz: nicht korrekt beigezogen, daher Sitzungsergebnis formal unkorrekt zustande gekommen.

Pharmakonzerne kleinlaut?

Die Pharmakonzerne Merck & Co. und Schering-Plough mussten heute eingestehen, dass der Wirkstoff Ezetimb in Zetia® and Vytorin® (in Deutschland Ezetrol® bzw. Inegy® von MSD) ausser dem Risiko für Leberschäden keine Wirkung hat.

Stationäre Aufnahme
Wenn ich wieder einmal höre oder lese, dass ein Selbsthilfeverband etwas von diesem Konzern angenommen hat, werde ich fragen, ob da jemand noch einen Funken Selbstachtung hat. Das ist ja einfach widerlich.

Behindertenfreundlichkeit

DIMDI mit dem „Prädikat behindertenfreundlich“ ausgezeichnet

Bundesministerium für Gesundheit
Also ich muss bei solchen Sprüchen immer dran denken: Ich bremse auch für Tiere. Meine Güte, wann merken solche Pappnasen endlich, dass sowas Diskriminierung ist, ungefähr so paternalistisch wie der alte Hustenmittelwerbespot: «Olaf hat Husten» und dem Getätschel auf Olafs Birne. Mann-O-Mann, wenn ich eins nicht sein will, dann «behindertenfreundlich», nein, wirklich nicht!

In meiner Freizeit werde ich nicht gerne von Callcentern angerufen. Ich empfinde es als ausgesprochen lästig, wenn alle naselang das Gesetz (gegen cold-calls) umgangen wird, indem mir was von Marktforschung und Umfrage erzählt wird.

Mehrere Anrufe erhielt ich nun von einem Call-Center der Universität Duisburg, einem Sozialwissenschaftlichem Zentrum ebendort. Die Eingangsfrage: „Ist oder sind ein oder mehrere Mitglieder ihres Haushalts bei der AOK versichert?“. Ich verbitte mir solche Belästigungen. Und ich lasse mich auch ungern über „anerkannte Methoden der Statistik“ belehren, und das man zufallsgenerierte Telefonnummern anrufen müsse weil nicht mehr alle Teilnehmer ins Telefonbuch eingetragen seien usw. usf.

Ich finde das eine unverschämte Umgehung des Verbots ungerufen fremde Leute zu belästigen. Ich verbitte mir das. Und genau das werde ich gleich dem Chef der AOK auch mitteilen. Benehmen sich wie Heuschrecken, seine Wissenschaftler.

Ach ja, Call-Center soll ich nicht sagen. Das verbittet sich das WIdO. Man wolle mir schließlich nichts verkaufen. Das behaupten die Umfrager immer. Wie kann ich eine Telefonnummer bekommen, die in keinem Zufallsgenerator erzeugt wird?

sah sich der innenpolitische Sprecher der SPD, WikipediaLogo Dieter Wiefelspütz, gezwungen, die Vorwürfe auf mittlerweile spezifisch spezialdemokratische Art zu entkräften

Dieter Wiefelspütz lügt uns die Hucke voll — Der Schockwellenreiter
Tja, «wiefelspützen» als neues Wort für Volk belügen ist eine nette Kreation. Der Dieter W. hat sie sich verdient.

Dilettantisch und teuer ist sie, die Berliner Verwaltung. Festgestellt hat das der Verwaltungswissenschaftler Heinrich Bücker-Gärtner. Unzureichende Qualifikation der Führungskräfte und unverständliche Formulare für Außenstehende. Abhilfe könnte eine Datenbank aus Bochum schaffen, in der es unzählige Wendungen gibt, die für Bürger leichter zu verstehen wären. Bochum hat angefragt, das Interesse Berlins scheint allerdings nicht zu existieren, stattdessen wurde die Entwicklung eines Monitoring-Systems in Auftrag gegeben mit denen man “Best- und Durchschnittswerte” feststellen kann, die die Arbeit der Bürgerämter und Bezirke langfristig verbessern sollen.

Hauptstadtblog: Wir bloggen Berlin

Tja, deshalb meine Rubrik: Bezirksverwaltung abschaffen. Für mich keine Neuigkeit. Aber die langdauernde und teure Entwicklung eines berlintypischen eigenen Monitoring-Systems ist zu erwarten gewesen. Hier ist alles anders als in Deutschland, das gilt seit Mauerzeiten. Zumindest in der Verwaltung hat sich wenig geändert, die Mauern stehen nun in den Birnen.

Dezemberfieber auch 2007

Wie in jedem Jahr, Verschwendung öffentlicher Gelder für das Folgejahr programmiert. Alle wissen es. Alle machen mit. Die Typen sollen mir nur nix von sparsamer Mittelverwendung erzählen. Wollen sie doch gar nicht. (Originalmail liegt samt Absender vor und wird Schäuble 2.0 gerne zur Verfügung gestellt!)

… ich bin der Titelverwalter des Titels XYZ des XYZ und wende mich in dieser Funktion heute an Sie.
Es stehen im XYZtitel Rückflüsse aus aktuellen Bewilligungen zur Verfügung. Aus haushaltstechnischen Gründen können diese Mittel leider nicht mehr für Neubewilligungen eingesetzt werden.
Diese Rückflüsse wirken sich negativ bei der Veranschlagung zukünftiger Haushaltsansätze aus.
Es ist daher notwendig diese Rückflussmittel durch Jan/Feb-Zahlungsanforderungen aus laufenden Bewilligungen auszugleichen.

Ich bin daher auf Ihre Unterstützung angewiesen. Bitte prüfen Sie in den aufgelisteten Vorhaben ob eine Jan/Feb-ZA im zulässigen Rahmen möglich ist.
Ich bitte um kurzfristige Vorlage einer Jan/Feb-Zahlungsforderung an die untenstehende Fax-Nummer unverzüglich bis spätestens 20.11.2007.

Google zensiert

Mal abgesehen davon, dass Champix-Anwendern möglicherweise lebenswichtige Informationen vorenthalten werden, diese Form GoodNewsEntertainment stinkt. Und zwar gewaltig.

BooCompany +++ Google zensiert BooCompany-News (Update) +++

Mich überrascht nur, dass Lanu davon überrascht zu sein scheint. Jetzt, wo alle technischen Kommunikationen von staatswegen bei Schäuble 2.0 gespeichert werden, jetzt könnten die aber eine Supderdupersuchmaschine aufmachen. Da würde man dann eine Menge mehr finden.

Citibank mal wieder

Dass Eure Zinsen schweineteuer sind spricht sich ja langsam rum, dass so mancher Eurer Kunden nach einer Beziehung mit Euch keinen Vermögensberater mehr brauchte auch, aber könnt Ihr nicht wenigstens mal einen Muttersprachler mit den Übersetzungen betrauen:

Geben Sie bitte keine Antwort auf sterben betreffende Mitteilung. E-Mail, gesandt ein Sterben betreffende Adresse, braucht keine Antwort. Um Hilfe zu leisten, gehen Sie ins System Ihres Kontos bei CitiBank ein und wahlen Sie Bastelraum Hinweis “Hilfe” auf der beliebigen Seite aus.

Die Bahn

In letzter Zeit bin ich öfter mit der Bahn gefahren. Nach einer Augen-OP sollte ich die eine Weile nicht den Luftdruckschwankungen aussetzen. Geschätzt habe ich die fehlenden Sicherheitskontrollen und den Platz für meine Beine. Aber jetzt bin ich es schon wieder leid:

«Die Bahn erklärte, wegen der kurzfristigen Streikankündigung sei es nicht möglich gewesen, Ersatzfahrpläne zu erstellen. Die Bahn wollte 1000 zusätzliche Mitarbeiter im Servicebereich einsetzen. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale hatte am Mittwoch die Streiks scharf kritisiert. “Unser Verständnis ist restlos am Ende”, sagte sie.Lokführergewerkschaft GDL legt Regional- und Nahverkehr lahm»

Ich habe kein Verständnis für eine überbezahlte Personalsachbearbeiterin, die derart ignorant und arrogant mit den Bedürfnissen der Lokführer umgeht. Und ich habe es auch gründlich satt, dass diese Dame mitverantwortlich ist für gerichtliche Eingriffe in die Streikrechte von Arbeitnehmern.

Macht den Lokführern endlich ein ernst zu nehmendes Angebot: wenn allein die Strompreise mal wieder 8% und mehr steigen sollen ist es wirklich an der Zeit, dass die Lokführer mehr Geld bekommen. In den letzten 10 Jahren hat doch der Staat das meiste an Lohnerhöhungen aufgefressen weil die Abgeordneten nicht wissen was Sparen bedeutet.

Microsoft ist das Problem

Immer wieder rufen mehr oder weniger enge Freunde an: sie haben ein Problem unter Microsoft Windows irgendwas (mal noch selten 2000, öfter XP und ganz Mutige auch schon mit Vista). Leute, nicht ein Virus oder Trojaner ist Euer Problem. Ihr verwendet die Software eines ziemlich undurchsichtigen Unternehmens. So schreibt Heise: «… erst vor einer Woche, nachdem Secunia nachgewiesen hatte, dass auch Outlook Express/2000 als Einfallsvektor für Angriffe genutzt werden könnte, bestätigte Microsoft überhaupt die Existenz eines Problems in Windows XP.» Quelle

Beschäftigt Euch endlich mal mit Linux oder Unix, aber wenn nicht, dann verwendet wenigstens sonst nichts mehr aus diesem amerikanischen Softwarehaus, nehmt anständige Sachen, es gibt Alternativen.

Nichtraucher Blogwarte

Eine sympathische Webadresse der immer häufigeren Art: http://www.pro-rauchfrei.de/gesetzesverstoss-melden.htm Hier kann der geplagte Surfer bei einem Verein melden, was bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft anzuzeigen ihm sein Sinn für die Verhältnismäßigkeit der Mittel verwehrt. Oder was bei diesen zuständigen staatlichen Stellen auf Basis der Einschätzung der Verhältnismäßigkeit nicht aktiv verfolgt und in Aktion umgesetzt wird. Es soll in Deutschland mal eine Zeit gegeben haben, in der in jedem zahlreicher bewohnten Haus jemand wohnte, der abweichendes Verhalten notierte und meldete. Man nannte diese Spitzel mal Blockwart, man nannte sie mal IMs oder auch anders. Igitt, was für einen ekligen Geschmack bekomme ich auf der Zunge. Am Rauchen liegt es nicht, das habe ich vor fast zwei Jahren aufgegeben, von jetzt auf nun, es war Zeit.

Kontraste über Medizin

Spontan fiel mir beim Zuhören und -schauen heute abend (Kontraste, im Ersten) nur eine Frage ein: «Wieviel haben die Ärzte der Redaktion für diesen einseitigen Marketingbeitrag gegen Heilpraktiker und für Ärzte bezahlt?» Heilpraktiker kann in Deutschland jeder werden, nur ein wenig Basiswissen und Hauptschulabschluss, und dann darf man tun und lassen was man will, niemand kann es kontrollieren, niemand kann Scharlatanen das Handwerk legen. Die Ärzte dagegen, reinste Pflichterfüllung unter minutiöser Kontrolle, jeder Fehler wird streng bestraft.

Kein Wort über Ärztepfusch, kein Wort über die vor Ärzten abzulegende Prüfung eines jeden Heilpraktikers, kein Wort über die den Ärzten vorbehaltenen Bereiche der Medizin, kein Wort über den Anteil von Ärzten und den von Heilpraktikern am Gesundheitswesen (und natürlich auch am Pfusch). Ja, «Qualitätsjournalismus» auf niedrigstem Niveau. Jetzt ist das Erste nicht mehr von SAT1 zu unterscheiden, Sendungen für Idioten, tagsüber und spät. Vielleicht ist es an der Zeit die Flimmerkiste abzuschalten, ganz.

Über einen Fall von Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und ihren Familien berichtet SPIEGEL ONLINE. Und einer der Diskussionsteilnehmer im Forum des Onlinemagazins weiß: «Selbstverstaendlich hat die Vermieterin ein Recht, den Vertrag aufzuloesen unter diesen Umstaenden. Schliesslich ist sie ueber die Besonderheiten der Mieter nicht informiert worden.» Soweit sind wir also mit dem Benachteiligungsverbot. Die Eltern hätten vorher die Vermieterin zu informieren, dass ihr Sohn behindert ist. Die Frau Hahn meint nämlich, dass Windeltragen einen Grund für eine fristlose Kündigung darstelle. Windeln seien nämlich als Sondermüll zu entsorgen. Einige Diskussionsteilnehmer sind übrigens aufgebracht, dass die Vermieterin aus der Anonymität gezerrt würde.

Ich seh’ das jetzt anders: «Usedom hat merkwürdige Vermieter, ich suche mir dort kein Quartier.» Aber wer sich bei Frau Hahn und Genossinnen wohlfühlt: bitteschön. Dann begegnen wir uns wenigstens nicht.

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Kommentare

  • Svenja-and-the-City: Wow. Das ist ein unglaublich interessanter Satz, der mir sehr gefällt. Aber was ist mit all...
  • Günter Schütte: Mir scheint, das hat weder mit Apple noch was mit der Herstellerfirma sondern am ehesten mit der...
  • Waltraud Stevens-Hammers: Sehr geehrter Herr Fussek, meine Mutter ist jetzt 86 J alt und hat eine beginnede Demenz....
  • Balz, Hans: Sehr geehrter Herr Yogeshwar, bitte nehmen Sie zum Thema Kontakt mit mir auf! Mit freundlichen Grüßen...
  • Michael: Danke für Deine Anregungen, auch wenn ich inhaltlich (zumindestens teilweise) eine andere Meinung habe. Aber...

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