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Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt

Archiv der Kategorie ‘Bioethik

Eizelle im Preisausschreiben

Alle interessierten Frauen können an einer Verlosung teilnehmen, bei der sie am nächsten Mittwoch eine Eizelle nach Wunsch gewinnen können, heißt es auf der Website des britischen Krankenhauses. Die Gewinnerin bekommt kostenlos in den USA eine Eizelle eingesetzt, wobei sie selbst über die Hautfarbe, das soziale Milieu und die Intelligenz der Spenderin entscheiden könne. Der Gewinn sei umgerechnet gut 14.000 Euro wert, sagte ein Kliniksprecher. Quelle

Angelsächsische Ethik muss ich mit immer mehr Skepsis betrachten. Nicht, dass ich seit Peter Singers kannibalistischen Anwandlungen da noch irgendein Vertrauen gehabt hätte.

Nachtrag: siehe auch hier

Hans Schöler im Glück

Hätte der Deutsche Bundestag im Januar 2001 nicht Forschern in Deutschland erlaubt, aus im Ausland getöteten menschlichen Embryonen gewonnene Stammzelllinien nach Deutschland zu importieren, dann wäre der Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin in Münster wohl leer ausgegangen.

Die Tagespost – Ins Netz gegangen

Ein übles Machwerk aus der Giftküche der Demagogie, siehe z.B. http://www.zellux.net/m.php?sid=203

Wie dämlich müssen Lehrer sein, die diese Quelle als unvoreingenommene Informationsbasis für Schüler nehmen? Und wie dünn müssen die Sachargumente von Leuten wie Schöler sein, wenn sie sowas veröffentlichen (lassen)?

Ethiker Schockenhoff warnt

Wirtschaftliche Argumente enthielten immer auch Werturteile.

Deutsches Ärzteblatt

So ganz anders als Argumente der Ethiker, gell? Aber davon ab: am schlimmsten ist wenn Ärzte und Juristen sich zu gut verstehen. Der Streit dieser Stände gebirt Sicherheit für Patientinnen und Patienten. Nicht immer, aber öfter.

Deutscher Ethikrat befasst sich mit kosmetischer Chirurgie für Minderjährige – Vize-Vorsitzende Woopen nennt Prioritätenliste

Kölner Stadt-Anzeiger: Deutscher Ethikrat befasst sich mit kosmetischer Chirurgie für Minderjährige Vize-Vorsitzende Woopen nennt Prioritätenliste

Ja, ja, wir haben auch keine dringenderen ethischen Probleme zu klären. Wenn man die Äußerungen der stellvertretenden Vorsitzenden in dem Gesamtartikel dann als Äußerungen des hohen Gremiums versteht kann einem kritischen Menschen schon ein wenig übel werden. Da sitzen Bischöfe und Professoren und haben nichts wichtigeres zu tun, als die letzten ethischen (oder sind es doch moralische?) Grenzen einzureißen, atemlos hinter den angelsächsischen Meistern der Entmenschlichung herzuhecheln.

Wenn Sie, meine Damen und Herren, es wenigstens lassen könnten, sich auch noch um die «Zukunft der Alten- und Behindertenhilfe» zu kümmern, dann wäre mir wohler und weniger Angst um die Zukunft meiner Tochter.

Wenn es rechtens sei, ein ungeborenes Kind bis zur Geburt zu töten, weil es eine schwere Be-hinderung hat und die Mutter gesundheitlich gefährdet wäre, wenn sie es gebären und großziehen müsste – dann halte sie es “für unverhältnismäßig, dies in einem sehr viel früheren Stadium der Embryonalentwicklung ausnahmslos zu verbieten”.

Und wenn ich sowas lese wird mir übel, Frau stellvertretende Vorsitzende. Was machen eigentlich die anderen Mitglieder dieses Gremiums so? Kopf gesenkt und Anweisungen dieser Chefin abwarten? Eigene Meinung vielleicht? Wo kann ich die mal lesen?

Embryonale Stammzellen

Dann sollte man lieber gleich ehrlich sein …“ meint Dr. Peter Radtke in einem Interview für die Website der Tagesschau (http://www.tagesschau.de/inland/interviewradtke2.html). Der Mann ist erwachsen, lange im öffentlichen Leben, aber Politik hat er wohl doch eher nicht verstanden.

Die Bundesärztekammer verlangt eine rasche Änderung der Regelungen zur Spätabtreibung. Präsident Jörg-Dietrich Hoppe erklärte am Samstag in Berlin, die Politik wisse um die Probleme, die mit der Neufassung des Abtreibungsrechts 1995 entstanden seien. Sie sei aber offenbar bislang zu feige, diese zu lösen.

Deutsches Ärzteblatt: “Ärzte drängen auf Neuregelung für Spätabtreibungen”

Das ist ja nett: da könnten die Ärzte seit Jahren schon kontrollieren, ob wenigstens die Pränataldiagnosen überhaupt immer stimmen (Qualitätssicherung der Pränataldiagnostik findet nicht statt, es ist nicht auszuschließen, dass viele frühere Abbrüche ohne Grund vorgenommen werden. Dabei handelt es sich um höhere Zahlen). Und was tun sie? Selber erst mal nix, aber der Politik Versäumnisse vorwerfen. Für wie dämlich hält eigentlich so ein sonst so sympathischer Ärztefunktionär wie Hoppe das Publikum?

(TF) GERON kündigt die welterste klinische Studie am Menschen mit embryonalen Stammzellen an! Wieder mal … Diesmal soll die klinische Studie “Ende des Zweiten Quartals 2008″ beginnen.

Das ist eine “Neuigkeit”, die uns schon eine gute alte Bekannte ist. Denn GERON kündigt seit 2002 in schöner Regelmäßigkeit diese “first in man”-Studie bei Rückenmarksverletzungen an.

Unten füge ich eine kleine Liste bisheriger solcher Ankündigungen seit 2002 an.

Frappante Wirkung der neuen Ankündigung: die GERON-Aktie ist von 3,28 auf 3,29 hochgeklettert! Daran lässt sich ablesen, wie sehr die Investoren an die Heilkraft embryonaler Stammzellen glauben. Vor 8 Jahren war GERON mal bei 73,50.

Die DFG glaubt an GERON:

In der DFG-Stellungnahme zur Stammzellforschung (November 2006) heisst es, “dass der Einstieg in klinische Studien zum potenziellen therapeutischen Einsatz von HES-Zellen eine Möglichkeit geworden ist. So hat die Firma Geron (San Diego, USA) die Beantragung einer klinischen (Phase 1) Studie mit HES-Zellen bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen an die FDA angekündigt.” (S. 28)

Sieht man sich GERON’s publizierte Daten der zugrundeliegenden Tierstudie an, dann sieht man, dass nur xenotransplantiert wurde (hES-abgeleitete Zellen auf Ratten) – was aber das Tumorrisiko einer “homologen” (hES-abgeleitete Zellen auf Menschen) Transplantation nicht beurteilen lässt (Erdö et al. 2003), erst recht, da die Tiere bereits nach 8 Wochen getötet wurden.

Die Transplantate hatten bei den behandelten Ratten nur einen äusserst geringen Nutzen (meist ging es den Kontrolltieren besser) und sie wirkten nur bei ganz frisch rückenmarksverletzen Ratten, nicht jedoch bei älteren Läsionen. Bei frischen Rückenmarksverletzungen ist aber die Prognose höchst unklar (es gibt eine hohe Rate von Spontanremissionen) und ein derart riskanter Therapieversuch wie die Transplantation von aus hES differenzierten Zellen nicht vertretbar. Man darf vermuten, dass auch die FDA weiss, dass die angeblich geplante Studie äusserst schwach abgestützt ist.

Cochlea Implant (Werbung)

Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn der Einsatz erfolgt, bevor jemand ganz taub ist.

HWelt – Das Ende der Stille
Zu meiner Zeit erkannte man noch, dass man die Patienten dafür dann erst von schwerhörig in den Zustand der Taubheit versetzen musste, der Eingriff also zumindest fragwürdig ist. Heute ist sich die Apotheken Umschau und alle, die deren Presse- und PR-Texte kritiklos abkupfern, nicht zu schade den Profiteuren des Eingriffs ohne viel Rücksicht auf deren Opfer zuzuarbeiten.

Deutscher Ethikrat

Ein Student und viele Professoren

HWelt – Ein Student und viele Professoren

Na denn …

Ethikrat

«… am kommenden Mittwoch, 13.02.2008, wird von 13.00 bis 13.05 Uhr ohne Aussprache im Plenum der neue Deutsche Ethikrat gewählt.»

Interessant. Und so will diese Regierung angeblich Politik- und Politikerverdrossenheit angehen? Na denn. Mal sehen, ob sich Bundesministerin Schavan eine hochrangige Riege unkritischer oder zumindest mehrheitlich unkritischer Befürworter der eigenen Minderheitenposition zusammen gesucht hat. Ein paar Feigenblätter muss und wird es natürlich geben.

SHG Ethik der Ärzte

Das Verhalten mancher Ärzte hält er für nicht akzeptabel, sagte er im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Deutsches Ärzteblatt: “Hoppe will korrekten Umgang mit individuellen Gesundheitsleistungen”
Ja, ja, die Ethikabteilung der Ärzteschaft, sehr nett mal wieder. Und der Monetik-Chef heißt Köhler. Der kümmert sich um die Interessen der «Firma Arzt».

Gott sei Dank

In der Debatte um den Stichtag des Stammzellgesetzes distanzierte sich Braunschweigs Landesbischof Friedrich Weber vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber.

Deutsches Ärzteblatt: Nachrichten “Embryonenschutz: Landesbischof distanziert sich von Huber”
Es gibt in der Evangelischen Kirche noch Leute, die grundsatztreu den Lebensschutz vor kurzfristige ökonomische Vorteile und wissenschaftstheoretische Phantasien stellen. Wenn Huber nicht ausgerechnet Moraltheologe wäre, man könnte ihm Ahnungslosigkeit unterstellen. Aber so ist es böse. Und ich denke, dass die Evangelische Kirche einen besseren Ratsvorsitzenden verdient hat. Abgesehen braucht seriöse Wissenschaft die embryonalen Stammzellen ja nicht. Man fragt sich, wieso manche Forschungsfunktionäre da so hinterher sind: Forschungsprojekte des Bundes? Steuermilliarden? Subventionen?

Menschenfreundliche Medizin

Welcher empfindungsfähige Mensch wäre nicht für eine “menschenfreundliche Medizin”? … und Weltfrieden?

Zumindest die Menschenfreundlichkeit der Medizin lässt sich gesetzlich verordnen – glauben jedenfalls die Urheber des Entwurfes eines “Gesetzes für eine menschenfreundliche Medizin”: Ulrike Flach (FDP), Rolf Stöckel (SPD), Katherina Reiche (CDU), Peter Hintze (CDU).

Weil die Herbeiführung der Menschenfreundlichkeit der Medizin eine alles andere als triviale Aufgabenstellung ist, bedarf es eines besonders potenten, ja geradezu eines pluripotenten Allheilmittels … richtig: mehr menschliche embryonale Stammzellen!

Vorbei die schlechten Zeiten, da eine menschenunfreundliche Medizin – mangels embryonaler Stammzellen – gnadenlos wütete. Wir erfahren: “Es ist eine Pflicht des Staates, die menschenfreundliche Forschung mit standardisierten und reinen Stammzelllinien zu ermöglichen.”

Wir lesen uns menschenfreundlich lächelnd weiter durch den menschenfreundlichen Text:

Mit der Menschenwürde ist es den Autoren so dermaßen ernst, dass sie ihr nicht nur den Rang eines Verfassungsgutes, sondern gleich den Rang mehrer Verfassungsgüter zuweisen: “Eine Streichung der Stichtagsregelung ist geboten, um den herausragenden Verfassungsgütern der Menschenwürde und dem menschlichen Leben Rechnung zu tragen.” Ein Schelm, wer “inflationärer Gebrauch des Menschenwürdebegriffes” dabei denkt!

Die Menschenfreundlichkeit erstreckt sich in ganz besonderer Weise auf Personen (nicht nur Forscher), die ohne Genehmigung und zu illegalen Zecken nicht genehmigungsfähige Stammzellen nach Deutschland importieren und in Deutschland zu illegalen Zecken verwenden: sie sollen menschenfreundlicherweise völlig straffrei sein.

Man liest: “Der Staat hat die Verantwortung zur Bewahrung menschlichen Lebens”, man bewundert die “Einführung und Verwendung von embryonalen Stammzelllinien”, man erschrickt angesichts des drohenden “empfindlichen Verstoßes gegen die Forschungsfreiheit” usw.

Anbei FDP-Antrag “menschenfreundliche Medizin”.

tf

Embryonale Stammzellforschung

Die Menschen begreifen immer mehr, dass für vermutete Heilungschancen der einen nicht die anderen getötet werden dürfen.

::merkur.de (Rheinischer Merkur): 2007_50.polkom_01::
Sag’ ich doch seit Jahren, aber auf mich hört ja keiner ;-)

Am kommenden Donnerstag, 1. Februar 2007, steht auf der Tagesordnung des Bundestags-Plenums:

“1. Lesung des von der Fraktion der FDP eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Stammzellgesetzes
- Drs. 16/383 -
Debatte 30 Minuten”

Die FDP bezweckt die Abschaffung des Stichtages sowie der Strafbarkeit für die Beteiligung an Handlungen im Ausland, die innerhalb Deutschlands Verboten des Stammzellgesetzes unterliegen.

Die kurze Drucksache (4 Seiten, PDF).

“Die Entwicklungen der letzten Jahre in der embryonalen Stammzellforschung, die bisher nur außerhalb Deutschlands stattgefunden haben, zeigen, dass in diesem Bereich die Aussichten auf neue Heilungsmethoden für schwerste Erkrankungen, wie z. B. Multiple Sklerose oder Herzinfarkt, am größten sind. Die Ausschöpfung der Heilungsmöglichkeiten solcher Krankheiten, wie sie durch die embryonale Stammzellforschung entwickelt werden können, ist ein Gebot der Ethik.”

Die Zahl klinischer Studien und etablierter Therapien mit embryonalen Stammzellen spricht gegen die Wahrhaftigkeit der Bundestagsliberalen.

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Kommentare

  • Wolf: Wie sie es erleben (fern und ignorant gegenüber jeder Realität) ist ihre Sache. Wenn sie aber unter Auslassung...
  • Claudia: Danke für die Erläuterung. Dass sie gegen die KV wettern (ich bezieh mich nicht auf bestimmte Fälle und hab...
  • Wolf: Hausärzteverband, Selektivverträge und so. Sie beschimpfen ihre eigene Monopolgarantiestelle KV in so...
  • Claudia: Was meinst du mit dem letzten Satz? Inwiefern “knacken Ärzte ihr eigenes Monopol” ? Dass sie...
  • Herrmann: Der Saftladen ändert sich nicht, und den Auftrag bekommt der auch immer zugeschoben, da ist keine...