Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
6 Apr
So ein Unsinn. Politik verkommt zur Unterhaltung. Hoppe und Montgomery applaudieren und fordern gleich noch ein wenig Zugabe. Klar, jetzt fehlt nur noch die Forderung nach mehr Geld für das System. Einen der ganz wenigen klugen Kommentare liest man bei der tagesschau:
Deutschland hat keinen Ärztemangel, denn die Zahl der berufstätigen Ärzte hat seit 1970 um 140 Prozent zugenommen. Damals kamen 857 Einwohner auf einen praktizierenden Arzt, 2008 waren es bloß noch 257 Einwohner. [Quelle: Bundesärztekammer]. Damals gab es auch KEINE katastrophale Gesundheitsversorgung. Wer behauptet, der Bundesrepublik fehlen Ärzte, läuft Gefahr, sich angesichts der Größenordnungen – die Zahl der Ärzte stieg seit 1970 immerhin von 133.011 auf 319.697 – lächerlich zu machen. Wenn auf dem Land tatsächlich ein Ärztemangel besteht, dann ist das eine Frage der Verteilung der Ärzte – also des bestehenden Budgets. Doch dafür sind die Kassenärztlichen Vereinigungen zuständig, also die Ärzte selbst, denn die Kassenärztlichen Vereinigungen sind Einrichtungen der ärztlichen Selbstverwaltung.
Warum wird nicht wenigstens nach flachen Ideen aus der Politik von den Kommentatoren nachgedacht: Was nützt die Abschaffung des NC wenn die Zahl der Studienplätze nicht steigt? Wann wirkt eine solche Maßnahme (müssen da eventuell noch 16 Bundesländer zustimmen? Na denn man tau …) wenn sie einstimmig jetzt beschlossen würde? Wie lange dauert noch einmal ein Medizinstudium? Sollen die Patienten bis dahin warten? Oder setzt man auf sozialverträgliches Frühableben?
Politik und Journaille werden einfach nicht besser.
3 Antworten zu "Rösler will NC abschaffen"
Und dann kommt ja noch dazu, dass Unis ziemlich viel allein entscheiden können – bloß weil das Land sagt “NC ist nicht” heißt das noch lang nicht, dass die Uni das auch macht.
(Ganz zu schweigen von dem enormen Arbeitsaufwand, den Auswahlgespräche erzeugen – die auch nicht wirklich bessere Ergebnisse liefern…)
Rösler hätte erst einmal mit den Unis reden sollen, die ihre Erfahrungen mit Auswahlgesprächen für Medizinstuzdeinplätze haben. Und mit Medizinstudenten sowieso. Dann hätte er erfahren, dass der NC immer noch der praktikabelste Marker für einen Studuienerfolg in Medizin ist. Aber so kann Rösler sich als Retter der Landarztpraxen feiern lassen, obwohl die ersten Zwangslandärzte frühestens in 7-8 Jahren die Freuden des ländlichen Raumes geniessen werden. Dann ist Rösler 45 Jahre alt, hat angekündigt in dem Alter die Politik an den Nagel zu hängen. Mit einer noch zu absolvierenden Weiterbildungt zum Allgemeinmediziner sollte er dann die kommenden 20 Jahre seines Berufslebens mit guten Beispiel vorangehen und in seiner Heimat Niedersachsen eine Landarztpraxis übernehmen. Denn bei den mit seinem von Bund und Bundeswehr bezahltem Studium eingegangnen Dienstverpflichtungen ist er eh noch im Rückstand und nur durch Freistellung für die Politik dem Stabsarztdasein entronnen.
Seit 10 Jahren ungefähr beraten die großen Wohlfahrtsverbände über die Zusammenlegung von Behindertenhilfe und Jugendhilfe bei behinderten Kindern. Bis jetzt nicht wirklich einen Schritt weiter außer „Schnittstellendefizite erkannt”. Wir sind erstarrt als System, Reformfähigkeit ist genauso gering wie Reformwilligkeit. Politik ist Unterhaltung.
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