Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
21 Aug
Das fachübergreifende Wirken der Selbsthilfe durch die NAKOS bezieht sich nicht nur auf gesundheitliche Fragestellungen im engeren Sinne, sondern ist eine zentrale Säule des gesamten bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Eine Engführung der Selbsthilfe auf eine rein krankheitsbezogene Unterstützungsstruktur übersieht die hohen Potenziale der sozialen Netzwerke und des sozialen Kapitals, das durch diese Art der Selbstorganisation gefördert wird. Die Förderung der Selbsthilfe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich gerade auch Ihr Haus weiterhin stellen sollte.
Mit solchen Schreiben, so bittet Raimund Geene, Vorständler der Dt. Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAG SHG), sollen sich auch Selbsthilfeverbände für den Erhalt von Subventionen an die NAKOS einsetzen.
Wenn ich mir so ansehe mit welchen Summen die professionellen Unterstützer der Selbsthilfe so gefördert werden, vom Staat, von den Krankenkassen, dann kommen mir Fragen: warum bekommt die professionelle Unterstützermannschaft so viel mehr und einfacher Geld als die Selbsthilfe selber? Was ist so toll daran, die Selbsthilfe nicht zu fördern, wohl aber deren selbsternannte Helfer? Es erinnert mich an einen Cartoon: bitte helfen Sie mir nicht, ich habe genug Probleme.
Und speziell bei NAKOS frage ich mich schon lange: was, abgesehen von ausufernden Datenbanken und Listen und Broschüren mit Adressen, hat die NAKOS eigentlich je wirklich für die Selbsthilfe getan? Ist es nicht eher eine Art Meta-Unterstützung, die vor allem denen Arbeit und Brot verschafft, die eben dort wirken? Und ist die ganze sogenannte Evaluation dort nicht eher Ausfluss von Netzwerken gegenseitigen Unterstützens und Helfens beim Generieren von Mitteln?
2 Antworten zu "NAKOS ist keine Selbsthilfe"
700.000 Euro pro Jahr? Ist eine Menge Holz.
“NAKOS — das Herz für die Selbsthilfevermittlung in Deutschland.” Ganz schön dick aufgetragen.
Wer ausserhalb Berlins würde merken, wenn es die nicht mehr gäbe?
Erschreckenede Ignoranz
Ich weiß nicht, woher diese grandiose Ignoranz und Einseitigkeit in der Wahrnehmung der NAKOS kommt.
Antworten auf Ihre Frage:
1. Was fehlt, wenn die NAKOS wegfällt: Es würden mehrere tausend Ratsuchende, die auf Bundesebene, aus allen Städten und Bundesländern nach einer Selbsthilfeorganisation oder eine Kontaktstelle in ihrer Nähe suchen, keine Antort mehr bekommen. Viele von Gruppen, Selbsthilfeorganisationen und Kontaktstellen müssten auf gut durchdachtes Arbeitsmaterial verzichten, die Anliegen von Gruppen und Organisationen, die nicht in den Dachverbänden der Selbsthilfe (z.B. BAG Selbsthilfe) organisiert sind, hätten keinen Ansprechpartner für die Vermittlung und Vertretung ihrer Anligen usw.
2. Die NAKOS ist eine Einrichtung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, die sich auch darum kümmert, dass die Anliegen der sozialen Selbsthilfe (Familiengruppen, Arbeitslose, Senioren oder Pflegende eine Plattform haben und ihre Themen in der politischen Debatte Gehör finden. Die Selbsthilfewelt ist nicht aussschließlich von Betroffenen und Ihren Gruppen im Gesudheits- oder Behindertenbereich aktiv.
Und: Sehr geehrter Herr Trenner, Sie wissen ganz genau, dass die Fördermittel für Selbsthilfe zu mehr als zwei Dritteln bis etwa drei Viertel in die Selbsthilfe direkt fließen. Der Anteil der unterstützenden Infrastruktur für Selbsthilfe ist dagenen gering. Es ist schade, dass so erfahrene Leute wie Sie, es noch immer nötig haben, populistisch alte Vorurteile lebengin zu halten.
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