Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
26 Feb
Mir geht das Gejammer einer der gut und sicher verdienenden Berufsgruppen, sich selbst auch gerne als «Stand» sehend, zunehmend auf den Senkel.
Hier jammert der Assistenzarzt (und bedient sich der Schilderung vom Elend der Patienten), hier jammert ein gut verdienender Funktionär (dem die Richtung der anderen Ärztefunktionäre nicht passt), Patienten kommen bei dem Gejammer immer nur als missbrauchte Masse vor, um deren Wohlergehen alleine es angeblich geht. Können die Ärzte nicht einfach mal die Klappe halten? So im Anblick der Nokia-Mitarbeiter, der ALG-2-Empfänger, der Familien mit behinderten Kindern … Sendepause? So ungefähr bis nach Weihnachten 2008, das wär’ mal was!
4 Antworten zu "Ärzte schlagen zu(rück)"
Da sollten sich die Ärzte bei ihren Selbstverwaltungsgremien ausheulen. Die haben das ja auch angerichtet. Unglaublich, dass die Funktionäre erfolgreich immer noch auf die böse Politik verweisen können und dei Patienten als Quasi-Geiseln nehmen.
So, dann schreibt eines eurer Hassobjekte auch mal nen Kommentar.
Warum ich das Beispiel aus Sachsen-Anhalt aufgegriffen habe? Wenn es irgendwo in diesem Land keinen Augenarzt mehr gibt, weil er seine Praxis aufgrund der miserablen Abrechnungspraxis nicht aufrechthalten kann, dann geht das vor allem Hartz-IV-Empfänger was an und die Familien mit behinderten Kindern, Rentner, Frührentner, Diabetiker, Hypertoniker… Denn das sind diejenigen, die vor allem ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen bzw. es lassen, weil der nächste Facharzt zu weit entfernt ist. Ich weiß nicht, was ihr für Ärzte kennt, aber ich kritisiere, weil es mir nicht gefällt, was mit den Patienten passiert und welche Handlungsmöglichkeiten mit als Arzt dem Patienten gegenüber bleiben. Der Beitrag, den ich zitiere zeigt auch mal die Hintergründe. Ich finde es nämlich schon verdammt kritisch, wenn ein Hartz-IV-Empfänger nicht mal das Geld hat bzw. bekommt, um in die nächste große Stadt zum Facharzt zu fahren, weil in seiner Kleinstadt kein entsprechender Facharzt mehr ist (Überalterung, finanzielle Lage etc.). Denn diese Leute sehe ich abends oder nachts im Dienst mit lebensbedrohlichen Zuständen, weil sie den Weg zum Arzt scheuten oder mit fortgeschrittenen Stadien von Tumorerkrankungen oder Beispiel Augenheilkunde Glaukom mit partiellem Visusverlust, weil die Politik dafür sorgt, dass Krankenkassen bestimmte Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr bezahlen.
Was die Selbstverwaltung durch die KVen angeht: Groß die Wahl hat man ja nicht, Pest oder Cholera – KV oder Bayrisches Modell… naja, oder wenns die Region zulässt am besten gleich nur Privatpatienten. Am Ende bleibt die Versorgung der KV-Patienten auf der Strecke. Und wer ist dann Schuld? Der kleine Praxisinhaber, die Krankenhausärzte, die KV, die ÄK, Ulla Schmidt, der Patient?
Ich bin übrigens wie etliche meiner Kollegen nicht in der privaten KV sondern auch einer der vielen GKV-Versicherten, so dass es mich auch als Patient trifft, wenn das System krankt. Wenn die Kassen 2 Milliarden Überschuss aus 2007 haben, frage ich mich, warum sie dann die Krankenhäuser zu der 0,5% Sanierungsabgabe für die GKV zwingen… den Krankenhäusern wirds nicht gut tun, die kürzen das Personal und am Ende liegt der Patient ne halbe Stunde da bis mal eine Aushilfspflegerin nach ihm sieht… und wieder mal Meckern nur die Ärzte / Schwestern und ausnahmsweise mal die Krankenhausgesellschaft.
Wenn dir das Gejammer auf den Senkel geht, dann steh auf und tu was und beschwer dich nicht über die, die Missstände kritisieren. Vom Augen und Ohren zu machen wird sich nie was ändern. Als gegen die Kürzungen im Gesundheitswesen, die 10-Euro-Gebühr, Kosten für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen etc. demonstriert wurde, habe ich nur niedergelassene Ärzte und deren Angestellte auf der Straße gesehen, aber kaum Patienten.
Ach je, «Hassobjekt»? Nimm Dich dafür mal nicht zu wichtig. Der Rundumschlag mit der Augendruckmessung ist einfach so sehr ausgenutzt worden (von Augenärzten!), dass da mal ein Pflock eingeschlagen gehörte. Es sind die verwöhnten Söhnchen und Töchterchen, die nach dem Studium nur in Berlin arbeiten wollen.
Wer wählt noch mal die KV-Vorstände? Also ich bin es nicht. Und wenn alle Ärzte behaupten nicht dabei gewesen zu sein: es wird langsam Zeit für UNO-Wahlbeobachter.
Ich bin auch in der GKV. Und nun? Die hat nämlich weniger Verwaltungskostenanteil als die PKV. Und ich fühle mich nicht schlecht behandelt.
Die Überschüsse sind zur Deckung von Altlasten (bereits gefrühstückter Honorare) erforderlich. Und wenn Krankenhausmanagern immer nur Personaleinsparung bei Schwestern und Pflegern einfällt: vielleicht liegt es an der Durchsetzungsfähigkeit des Oberarztes vom Marburger Bund in Verbindung mit Phantasielosigkeit der Heuschrecken und zu großer Gewinnerwartung der Träger. Mal einen Blick in die Bilanzen von Rhön und Konsorten geworfen? Wer glaubt denn, dass die das gemeinnützig tun?
Ich bin schon lange aufgestanden und tue was. Fordere mich nicht auf, noch mehr zu tun. Es gefällt den Selbstverwaltungspartnern nämlich überhaupt gar nicht. Denen wär’ lieber wenn ich nichts täte. :-)) Und ich gehe dabei noch außerordentlich sanft mit Ärzten um.
Hassobjekt? Ist das die Selbstwahrnehmung? Wer wollte denn den Euro-EBM? Haben die Funktionäre nicht über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt? Bei festen Preisen fliegt das System ohne Pauschalen auseinander.
Was das Krankenhaus angeht: Die 0,5% Zwangsabgabe ist doch nicht das Problem. Sondern die maroden, schlecht schlecht geführten Kliniken und die Bundesländer, die die Investitionskosten nicht tragen wollen – weil sie im Grunde wissen, dass sie da Geld in Töpfe ohne Boden stecken.
Der Kassenüberschuss ist doch Augenwischerei. Die Einnahmen liegen noch 500 Millionen unter dem Bundeszuschuss. Die Ausgaben steigen weiter stärker als die Grundlohnsumme. Mit dem Gesundheitsfonds wird der Beitrag weiter steigen.
Dein Kommentar: