Zu den regelmäßigen Lesern des Spiegels gehöre ich nicht, weder interessiert es mich an der Papierform Montags depressiv zu werden, noch gehöre ich zu den Bewunderern der Online-Redaktion, von der ich bisher wenig Gutes gehört habe. So bin ich eher durch Zufall auf einen sensationellen Artikel gestoßen: ein Kind wird immer Kind sein weil seine Eltern es so wollen und Ärzte so können.

Als Vater eines behinderten Kindes erlaube ich mir den Hinweis: trotz aller Schwierigkeiten habe ich immer versucht den vermuteten Wunsch meiner Tochter zu respektieren. Das schloss für mich immer ein, auch den Wunsch nach Abstand von mir zu vermuten (wohin habe ich meine Eltern gelegentlich gewünscht?) und Gelegenheit zum Ausleben zu geben. Aber ich weiß von anderen Eltern, dass sie planen rechtzeitig vor dem eigenen zufälligen Ableben gemeinsam mit ihrem behinderten Kind Selbstmord zu begehen. Sie trauen der Gesellschaft nicht mehr, dass sie sich verantwortungsvoll um behinderte Menschen kümmern wird, denen es nicht möglich ist, für die eigenen Interessen eine Menge Wirbel zu machen und lautstark bei jeder (gefühlten) Diskriminierung zu lamentieren. Ich kenne auch Eltern, die, selber längst im Großelternalter und die “Kinder” sowohl erwachsen als auch gut in der Lage selber ihre Interessen zu vertreten, noch immer als »Interessenvertreter ihrer Kinder« Ämter und Pöstchen besetzen, als Gerontokratie der Selbsthilfe Fortschritt blockieren und die Fortexistenz von Anstalten und ab- und verschließender (Wohlfahrts-)Strukturen garantieren.

Das ist ein weites Feld.

Update: Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie zu diesem Thema