Vor dem Beitrag musste ich mich erst ein wenig erholen: gestern war ich den ganzen Tag auf der öffentlichen Ergebniskonferenz der stationären Qualitätssicherung in Berlin. Die Ministerin Ulla Schmidt hatte der Versammlung die Ehre gegeben. Die Begrüßung verlief noch absolut schweigsam (klingt furchtbar laut wenn ein ganzer Saal schweigt), aber dann fand die Ministerin so wärmende Worte für all die Ärztinnen und Ärzte, Krankenkassenmitarbeiterinnen und Krankenkassenmitarbeiter sowie Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter (ja, so reden die heute alle), die an der Qualitätssicherung beteiligt sind, dass ein geradezu herzlicher Beifall ihr Lohn wurde. Die Politik erwartet von dem Verfahren zur Qualitätssicherung, dass einmal Patientinnen und Patienten sich mit den veröffentlichten Informationen das für sie beste Krankenhaus aussuchen können. Außerdem wird erwartet, dass Mängel erkannt und abgestellt werden.

Von der Erfüllung der ersten Erwartung ist das Verfahren noch weit entfernt: im 4. Quartal 2006 wird z.B. ein “Strukturierter Dialog” von Qualitätsstellen auf Landesebene mit den Krankenhäusern geführt, die zwei Jahre hintereinander (2004 und 2005) auffällig (im Sinne von numerisch nicht normentsprechend) geworden sind. Die Auswertung dieses Dialogs (sind es Dokumentationsfehler, sind es wirklich Mängel, gibt es gute Erklärungen) findet ihren Eingang in veröffentlichte Daten nicht vor November 2007, eher später, weil alle Landesqualitätsstellen solche Daten vorher noch einmal kommentieren wollen, jedenfalls immer dann, wenn ein Ländervergleich mit den Daten erstellt werden soll. Also ich verstehe als Patientenvertreter nicht, wie die Akteure eines so langsamen Verfahrens so begeistert von der eigenen Arbeit sein können.

Kein Wort auf dieser Konferenz aus den nicht-öffentlichen Konferenzen vorher, in denen bestimmte Mitakteure peinlichst darauf achteten, dass nicht “ihre” Daten einem “anderen” genauer bekannt werden. Denn nur absolute Verschwiegenheit sichere die Teilnahmebereitschaft der Ärzte. Dahinter stecken die altekannten Lokalinteressen von 16 Landesstellen, die mehrheitlich noch immer nicht verstanden haben, dass sie mit ihrer eigenen Existenz spielen. Bis heute habe ich nach 2 Jahren Mitarbeit im System erst 2 Landesstellen erkannt, deren weiterer Existenz ich nicht widerspräche, 14 Landesstellen müssten aus meiner Sicht schnellstmöglich der Bundesstelle disziplinarisch unterstellt werden.

Wenn die Patienten so sensibel wären wie die Ärzte, mehr als 50% von ihnen würden die Krankenhäuser nicht lebend verlassen.

Ein Frauenarzt brachte es in der öffentlichen Veranstaltung auf den (hinter vorgehaltener Hand oft gehörten) Punkt: er beschwert sich, dass er so viele Daten für die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung erheben müsse, die Zeit ginge seinen Patientinnen verloren. Er hat noch immer nicht begriffen (das Verfahren läuft seit Jahren!), dass es um Qualitätsmanagement geht, also um eine seinem (!) Geschäft nützliche Veranstaltung. Wahrscheinlich weiß er auch immer noch nicht, dass er nicht nur für seine Yacht, vielmehr auch für seine Patientinnen arbeitet und von denen bezahlt wird.

Das Verfahren der externen stationären Qualitätssicherung ist in seiner bisherigen Form akzeptabel wenn es zügig weiter entwickelt wird mit dem Ziel die Qualitätsinformationen schnell der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Es muss in jedem Fall des Bremsens geprüft werden, ob das Verlangsamen der Qualität der Informationen dient oder nur dazu benutzt wird, dass die Akteure weiter hinter verschlossenen Türen machen können, was ihren Leistungsnehmern nicht recht sein kann. Alle Daten des Verfahrens müssen in Gerichtsverfahren gegen Ärzte und/oder Krankenhäuser unaufgefordert und vollständig den Anwälten beider Parteien zur Verfügung gestellt werden. Wer sich dem verschließt, der verdient Misstrauen.

Und obwohl hier nicht erwähnt: nur die stationär erbrachten Leistungen einer Kontrolle der Öffentlichkeit zu unterwerfen bringt keine Lösung der Probleme. Erst ein Qualitätsmanagement über alle Bereiche (ambulant, Rehabilitation, Produkte, Hersteller, Vertrieb, Pharmazie …) orientiert an den Erkrankungen/Patienten bringt Ansätze dafür.