Gesundheit(spolitik), Selbsthilfe und überhaupt
19 Okt
Dass die Kosten von Arzneimitteln und deren Nutzen nichts miteinander zu tun haben kann geneigter Leser bereits erfahren haben. Dass diese Kosten in 2005 um über 16% gestiegen sind ist nachzulesen.
Weitere Steigerungen sind zu erwarten, denn die Pharmaindustrie will ihre zweistelligen Gewinnsteigerungen schließlich fortsetzen.
Wenn Politikerinnen meinen, dass ein zweiter Arzt und dessen Meinung etwas grundsätzlich bewirken könnten, dann haben sie das System vielleicht nicht verstanden: Ärzte wissen wenig über Arzneimittel. Was sie wissen stammt meist aus den “Beratungen” durch Pharmareferenten, wenn nicht nur aus Werbung und Prospekten. Klinische Pharmakologen könnten den Unsinn beenden, dass manche Patienten genauso viele Medikamente noch einmal gegen die Nebenwirkungen der eigentlich verordneten Medikamente einnehmen. Und gegen das “Wegwerfen” verordneter und bezogener Arzneimittel hilft aus meiner Sicht nur Aufklärung (im günstigsten Fall) und Strafe (durch Zuzahlungen, im Normalfall). Nicht populär.
Vielleicht hilft auch mal ein Patientenblick auf Preisvergleiche, wobei immer skeptisch zu untersuchen bleibt, wer eigentlich hinter den Webportalen steht. Generell gilt: wo es um so viel Geld geht ist Misstrauen angebracht!
2 Antworten zu "Arzneimittelkosten steigen ohne Mehrnutzen"
Ganz so einfach ist es nicht: Klinische Pharmakologen nützen nur was in der Klinik. Dafür müsste man mit der Doppelversorgung mit Fachärzten in Niederlassung und in Krankenhäusern Schluss machen und alle Fachärzte wie in anderen Ländern üblich in die Klinik bringen.
Und selbst Schwabe und Paffrath geben zu, dass 2/3 des Ausgabenanstiegs durch neue innovative Medikamente kommen und nur 1/3 durch “me-too”-Präparate. Wobei diese me-too-Präparate oft genug für den einzelnen Patienten weniger Nebenwirkungen haben und besser vertragen werden. Muss der Arzt auch im Einzelfall entscheiden.
«… sagte Herausgeber Ulrich Schwabe. Der Einfluss der Pharmaindustrie auf die Ärzte sei in Deutschland besonders groß; in Ländern wie Schweden oder Großbritannien kosteten gängige Mittel oft nur ein Zehntel des deutschen Preises. Die Arzneimittelkosten waren 2005 um 3,6 Milliarden auf 25,4 Milliarden Euro gestiegen.»
Zitiert nach: kma-online
Es mutet seltsam an, wenn ich in Frankreich nur einen Bruchteil des hiesigen Preises für ein identisches Mittel bezahle. Und ich bestreite, dass der Arzt gerade der richtige für Medikamentenentscheidungen ist. Er hatte lange genug Gelegenheit seine Kompetenz in dieser Sache zu beweisen, er hat sie ungenutzt verstreichen lassen. Ausnahmen bestätigen die Regel.
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